Notstromaggregate erhalten im Ernstfall Trinkwasserversorgung aufrecht
Wasser versinkt nicht im Chaos

So idyllisch dieses Gebiet der Amberger Trinkwasserversorgung bei Paulsdorf aussieht - hier liegen sechs Tiefbrunnen samt Häuschen, die allesamt ihr Wasser per elektrisch betriebener Pumpen nach oben fördern. Fällt der Strom aus, können sie nur über Notstromaggregate weiter arbeiten und einen Großteil der Versorgung sicherstellen.

Blackout in Deutschland: Der Strom ist flächendeckend ausgefallen, auch die Nachbarstaaten können nicht helfen. Innerhalb von Tagen kommt es zu Chaos, unter den Menschen bricht immer härter der Kampf ums Überleben aus. Eine Horrorvision, die die Stadtwerke gestern inszenierten - um die erste richtige Reaktion darauf zu proben.

Es war eine Premiere: Zum ersten Mal übte der regionale Energieversorger unter realen Bedingungen, wie mit einer solchen angenommenen nationalen Notsituation umzugehen ist. Mit einbezogen auch der Katastrophenschutz der Stadt, die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk. Alle vier Seiten waren sich einig, dass bei einem totalen Blackout ohne Aussicht auf rasche Wiederherstellung der Stromlieferung - ausgelöst zum Beispiel durch eine Naturkatastrophe mit riesigen Schäden oder einen terroristischen (Hacker-)Angriff - vor allem eines schnell in Gefahr gerät: die Versorgung mit Trinkwasser.

Sie ist ebenso stromabhängig - was man vielleicht beim gewohnten Blick auf Rohre und Wasserhähne gar nicht glaubt. Doch dieser Weg des Lebensmittels Nummer eins beginnt häufig in Tiefbrunnen unter der Erde. Von dort muss auch in Amberg und Umgebung das Wasser an die Oberfläche, in Leitungen und Reinigungswerke gepumpt werden.

Ohne Strom läuft gar nichts

Das geschieht elektrisch - ohne Strom läuft keine dieser leistungsstarken Pumpen. Wenn sie stillstehen, sind in Hochbehältern vorhandene Reserven schnell aufgebraucht. Ohne Nachschub versiegen sie in wenigen Tagen und rund 75 Prozent aller Hähne in Amberg bleiben trocken. Das übrige Viertel wird von der oberirdischen Quellfassung bei Urspring versorgt, die aufgrund ihres hohen Gefälles zur Vilsstadt keinen Pumpenantrieb braucht.

Ohne weiteren Zufluss kommt auch die Abwasserversorgung zum Erliegen, wie Stadtwerke-Chef Dr. Stephan Prechtl gestern bei einer Pressekonferenz in seinem Haus erläuterte. Und er verhehlte nicht, dass dadurch wiederum Krankheiten, ja Seuchen entstehen könnten, um das selbst in einer Klein- oder Mittelstadt nicht überzeichnete Bild weiterzumalen (noch schlimmer betroffen wären hier natürlich Großräume und Ballungszentren mit höherer Bevölkerungsdichte). Nach dem Strom-GAU käme also gleich der (Trink-)Wasser-GAU (= größter anzunehmender Unfall).

Neue Aggregate gekauft

Doch dem kann vorgebeugt werden - mit Notstromaggregaten, die die Trinkwasserversorgung aufrechterhalten. Insgesamt fünf besitzen die Amberger Stadtwerke - zwei haben sie erst heuer für rund 100 000 Euro neu angeschafft. Das geschah eben auch vor dem Hintergrund, den Wasserfluss nahezu uneingeschränkt gewährleisten zu können. Selbst in einem fast schon apokalyptisch anmutenden Notfall wie beschrieben.

Gestern wurden diese fünf auf Anhängern montierten Diesel-Aggregate zum ersten Mal im Verbund und im Echtbetrieb getestet. Das heißt: Die Stadtwerke sperrten für gut sieben Stunden den Strom im Wasserwerk Engelsdorf und einem nahe gelegenen Tiefbrunnen und simulierten so den Ernstfall. Dort mussten dann möglichst rasch die ersten beiden Notstromaggregate aufgebaut und angeschlossen werden, um die Pumpen wieder in Gang zu setzen. Auch am Südhang und im Mittelzonen-Hochbehälter des Mariahilfbergs sowie im Pumpwerk in Eglsee liefen die drei weiteren Behelfsaggregate und stellten die Wasserversorgung sicher - wie das eben im Krisenfall bei einem längerfristigen Stromausfall auch sein müsste.

Bürger bleiben ohne Ausfall

Die Bürger haben von diesem Notbetrieb nichts gemerkt, weil alles gut lief. Stadt und Technisches Hilfswerk waren nicht nur als Katastrophenschutzverantwortliche eingebunden - das THW lieferte zum Beispiel auch Diesel für die Aggregate. Auch dieser Nachschub muss schließlich im Notfall klappen.
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