Nur billige Bänder stinken auch

Loom-Bands sind giftig! So sagte es die Mutter einer Viertklässlerin ihrer Tochter. Aber stimmt das auch? Die 4b der Dreifaltigkeitsschule ist der Sache sehr genau auf den Grund gegangen.

"Meine Mama meint, dass Loom-Bands vielleicht giftig sind. Deshalb soll ich nicht so viele Armbänder machen." Diese Aussage einer Schülerin ließ Heidrun Leitz, Lehrerin der Klasse 4b, keine Ruhe. Und so begann ein Projekt der ganz besonderen Art, und ihre Schüler befanden sich plötzlich mitten in der "Wunderbaren Welt der Kunststoffe."

Mehrere Wochen beschäftigten sich die Kinder intensiv mit dem Material der beliebten Loom-Bands. Sie testeten Reißfestigkeit, Dehnbarkeit und Reaktion des Materials auf Kälte, Hitze und Säuren. Sie lernten andere Kunststoffarten kennen und benutzten sie für Experimente.

Alles über Kunststoff

Nachdem die Versuche im Klassenzimmer viele neue Fragen aufgeworfen hatten, war Expertenwissen gefragt. Belinda Schmal, Mutter eines Dreifaltigkeits-Schülers und Studentin des Faches Wirtschaftsingenieurwesen, gab einen kindgerechten Überblick über den Werkstoff "Kunststoff". Die Kinder erfuhren, wie aus kleinen Kunststoffkügelchen Plastikflaschen hergestellt werden und lernten Fachbegriffe wie Granulat, Extruder und Preform kennen.

Michael Werner von der Amberger Feuerwehr ließ es dann brennen. Verschiedene Kunststoffe gingen in Flammen, Rauch und Gestank auf. Üblicherweise komme die Feuerwehr ja nicht, um etwas anzuzünden, sondern um zu löschen, betonte er.

Zum Abschluss des Projektes stand ein Besuch an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) auf dem Programm. Da erläuterte zum Beispiel Professor Joachim Hummich in einer Kurzvorlesung die Bedeutung von Weichmachern im Herstellungsprozess von Kunststoffen. Dass er zur Veranschaulichung kalte, klebrige Spaghetti wählte, die durch Öl "weich" wurden, fanden die Schüler natürlich besonders lustig.

Prof. Hummich erklärte den Kindern das Formgedächtnis von Kunststoffen anhand der Reaktion eines Joghurtbechers auf Erwärmung und beantwortete geduldig die zahlreichen Fragen. Professor Tim Jüntgen lobte danach die Grundschüler für ihre Wissbegierde: "Bleibt neugierig, das ist gut!" Auch Charles Goodyear habe neugierig experimentiert und durch reinen Zufall das Verfahren der Vulkanisation entdeckt. Tim Jüntgen widmete sich dann besonders der Frage, aus was denn nun diese Loom-Bands bestehen?

Vorsicht bei billigen Looms

Anschaulich erklärte er die Gewinnung von Naturkautschuk und beruhigte die Kinder mit der Aussage, dass normalerweise nur natürliche Stoffe in den elastischen Loom-Bands enthalten seien. Vorsicht sei allerdings bei sehr billigen Ringen geboten, die manchmal einen unangenehmen Geruch verströmten. Die Suche nach eventuell vorhandenen Schadstoffen setzte sich im Chemielabor von Professor Peter Kurzweil fort. Die Kinder erfuhren, dass mit Hilfe des Computers die Bestandteile der Kunststoffe analysiert werden können. Der Versuch zeigte, dass verschiedene Kunststoffe in unterschiedlichen Farben brennen. Loom-Bands gelb, andere Kunststoffe dagegen grün - giftgrün.

Zum Abschluss zeigte Professor Jüntgen eine Maschine, die Geodreiecke produzierte. Die Begeisterung war groß, als die Grundschulkinder zur Erinnerung ein vor ihren Augen hergestelltes Geodreieck, einen Kreisel, eine Frisbeescheibe und ein Spielzeugauto - selbstverständlich alles ohne schädliche Stoffe - mit nach Hause nehmen durften.
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.