Nur der Direx hat gekleckert

Ein gemeinsames, warmes Mittagessen ist auch aus sozialpädagogischer Sicht ein wichtiger Bestandteil der schulischen Ganztagsbetreuung. Zum Auftakt am Erasmus-Gymnasium setzten sich auch dessen Direktor Peter Seidl (Zweiter von rechts) und das sechsköpfige Betreuerteam (im Hintergrund) dazu. Bild: Huber

Peter Seidl freute sich als Schulleiter sichtlich, die Kinder ließen es gelassen angehen. Das altehrwürdige Erasmus-Gymnasium hat in seiner bald 400-jährigen Geschichte seit Montag eine Ganztagsbetreuung. Und dann dieses kleine Missgeschick.

(zm) Doch die Mädchen und Buben, die vorwiegend aus den unteren Klassen kommen, haben es gar nicht bemerkt oder sahen vornehm darüber hinweg - ein Soßenspritzer, ausgerechnet auf der Krawatte des Oberstudiendirektors. Das erste gemeinsame Mittagessen der neuen Gruppe begann also wie das ganz normale Leben. Das soll sich verfestigen, wenn es nach Seidl geht.

Schätzungsweise sieben Anläufe, darunter auch die des Vorgängers, seien nötig gewesen, um eine offene Ganztagsbetreuung an dem Gymnasium mit humanistischem Schwerpunkt zu installieren, überschlug der Schulleiter die bisherigen Versuche. Jetzt ist es geschafft. Die räumlichen Voraussetzungen, wie eine Mensa und einen darüber liegenden Raum für die eigentliche Betreuung der Kinder, gibt es schon seit Jahren. Mit der Gemütlichkeit hapert es noch etwas. Doch das sollen die jeweiligen Gruppen, die montags bis dienstags in unterschiedlicher Zusammensetzung beaufsichtigt werden, selbst in die Hand nehmen.

Sechs Betreuer

Dieses Ganztagsmodell umfasst nach dem Unterricht die Zeitspanne zwischen 13 und 16 Uhr. Gebucht werden konnten mindestens zwei sowie drei oder vier Tage. Zum Auftakt am Montag waren elf Mädchen und Buben gekommen, der Betreuerstab war zu sechst. Beata Schmidt und zwei weitere Kolleginnen kommen von der GFI (Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration), sie sind für das Organisatorische und eher (sozial)pädagogische Aufgaben zuständig. Hinzu kommen drei quasi interne Kräfte. Gymnasiasten der neunten Jahrgangsstufe, zum Auftakt waren Karina, Max und Marc da. Sie fungieren als Mentoren. Auch darauf ist Seidl stolz.

Sie kennen das Innenleben der Schule und sollen schwerpunktmäßig in der Hausaufgabenbetreuung eingesetzt werden. "Einer Sozialpädagogin kann nicht abverlangt werden, Latein zu können", erklärte der Schulleiter die Hintergründe. Denn die Eltern, so die Erfahrung des Oberstudiendirektors, würden sehr großen Wert darauf legen, dass die Ganztagsbetreuung den Hausaufgaben-Sektor kompetent und zuverlässig abdeckt. In der Regel läuft der Nachmittag nach dem Muster gemeinsames Mittagessen, Freizeit, Hausaufgaben, Freizeit ab.

Wichtiger Etappensieg

Der Schulleiter hofft darauf, dieses Modell an seinem Haus etablieren zu können ("Wir sind noch aufnahmebereit") und sieht den jetzigen Schritt als einen wichtigen Etappensieg. "Die offene Ganztagsbetreuung ist für Gymnasien der genau richtige Ansatz", weil er flexibel genug sei, individuellen Familienbedürfnissen Rechnung zu tragen, betonte Seidl. Doch zum Auftakt hieß es erst einmal "Guten Appetit".

Den wünschte der Hausmeister Christian Roth auch im Namen seiner Ehefrau Jutta den Ganztagskindern persönlich. Zwei Gerichte aus dem Catering-Service der Lebenshilfe standen zur Auswahl. Eines davon hieß "Gedünstetes Seefischfilet auf Senfsoße (und Krawatte, Anm.d.Red.) mit Püree und Salat".
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