Nur noch 731 Mal schlafen

Als Martin Luther im Jahr 1517 einen Tag vor Allerheiligen seine 95 Thesen an der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen hat, um den Sündenerlass gegen Geldzahlungen anzuprangern, war die Abspaltung von der katholischen Kirche mehr oder minder besiegelt.

Die Paulanergemeinde feierte am Samstag mit einem festlichen Gottesdienst den höchsten evangelischen Feiertag, den Reformationstag. 498 Jahre seien seit dem Thesenanschlag vergangen, meinte Pfarrer Joachim von Kölichen und nur noch 731 Mal müssten die evangelischen Christen schlafen, bis der 500. Jahrestag der Reformation begangen werden kann. Die Vorbereitungen auf dieses Jubiläum würden in der Paulanergemeinde bereits auf Hochtouren laufen, ein Flyer werde aufgelegt und bereits am Mittwoch, 11. November, dieses Jahres gastiere das Heeresmusik-Corps der Bundeswehr mit einem Benefizkonzert in Amberg zugunsten der Paulanergemeinde. In seiner Predigt betonte Pfarrer Dr. Johannes Blohm, dass heute nicht irgendein Fest, "sondern das Urfest des lutherischen Glaubens" gefeiert werde. Blohm unterstrich, dass es eine Vielfalt von Leitbildern im Leben gebe.

Leitbilder und Leid-Bilder

Über Jahrhunderte hätten sich Künstler von diesen in ihren Werken inspirieren lassen. Die Bilder seien für Menschen zu Leitbildern ihres Glaubens geworden. Derzeit sei es um Leitbilder still geworden, so Blohm. Vor 500 bis 600 Jahren hätten sich die Menschen, ob Bauer oder Fürst, darüber Gedanken gemacht, wie man vor Gott dastehe, wie sich die Türe zu seiner Rechten für den Einzelnen öffne. Lebens- und glaubensbestimmend seien die Antworten gewesen, denn Höllen- und Angstworte, Höllen- und Angstbilder hätten seelisches Leid und Glaubensnöte hervorgerufen. Damals seien es furchtbare Leit-Bilder gewesen, eigentlich Leid-Bilder. Für die Kirche sei das zu einem einträglichen Geschäft geworden und der Spruch von den klingenden Münzen und den springenden Seelen sei sicher bekannt. Am 31. Oktober 1517 sei aus dem Leid-Bild, das die Kirche verkauft habe, ein neues Leit-Bild geworden, das für die lutherischen Gemeinden bis heute prägend sei. Luther habe in der Bibel, vor allem in den Paulus-Briefen neue Leit-Bilder gefunden, die dazu führen würden, dass allein der Glaube zur Gnade vor Gott führen werde.

Heute stünden die lutherischen Gemeinden für eine feste Glaubenshaltung, begründet durch die Heilige Schrift, für einen Glauben, der die Grundaussagen der Bibel umsetzt, der vor Gott gerecht wird und Nächstenliebe als selbstverständliches Gut ansieht. Manche würden am Glauben zweifeln, denn sonst würden nicht Befürchtungen laut, dass die Kirche selbst Schuld wäre, wenn Kirche oder Gemeindehäuser leer blieben. Dr. Johannes Blohm räumte ein, dass es an Ermutigungen, Zuspruch und Leitbildern in einer Welt fehle, in der die Konturen von Glaube und Kirche immer mehr verblassen. "Wir müssten uns reformieren", sagte Blohm, "aufstehen und aufeinander zugehen, miteinander Wege für eine menschelnde Gemeinschaft beschreiten". Als Josua das Volk Gottes ins gelobte Land führte, habe er Mut gemacht mit den Worten, dass alle mutig und stark sein sollten, denn Gott sei immer gegenwärtig.

Mit Posaunenchor

Das Abendmahl war der Höhepunkt des Festgottesdienstes, der vom Posaunenchor der Paulanergemeinde unter Leitung von Rudolf Bär und der Dekanatskantorin Kerstin Schatz an der Orgel gestaltet wurde.
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