O du friedvoll beleuchtete Weihnachtszeit

Andreas Raab lädt die Weidener ein, die Amberger Weihnachtsbeleuchtung mit den Riesen-Sternen zu bewundern. Bild: Steinbacher
Mit nur einem einzigen Satz hat sich die Weidener Stadtmarketing-Chefin den Zorn von halb Amberg zugezogen - Glückwunsch! "Lassen wir Amberg abstinken", sagte Andrea Schild-Janker, als sie über die Weihnachtsbeleuchtung sprach. Wohlgemerkt über die in ihrer Stadt.

Der Satz sei ein Witz gewesen, relativiert sie später. Nochmals Glückwunsch! "Niemals wollte ich mit der Weidener Beleuchtung in einen ernsthaften Wettbewerb mit der Nachbarstadt treten", erklärt sie, nachdem der Sturm der Entrüstung in Amberg losgebrochen ist. Doch bei Weihnachtsbeleuchtungs-Wettbewerben hört der Spaß auf - hüben wie drüben.

Andreas Raab, Chef der hiesigen Park- und Werbegemeinschaft, fragt sich, ob Weiden das nötig hat? Deshalb lädt er die dortige Bevölkerung dazu ein, nach Amberg zu kommen, "um in unserer zentralen Einkaufsmeile zu flanieren". Die Glückseligkeit ob der neuen Lichterketten ist Andreas Raab anzumerken: "Das Durchschimmern der auf sie zukommenden Riesensterne, erahnend, durch den Lichterteppich schimmernd, löst Freude im Herzen des Betrachters aus", schwärmt er.

"An jedem Punkt unserer fast 800 Meter langen Shopping Mall verzaubern die verschiedenen Blickwinkel die Besucher, ein fast 450 Meter langer Lichterteppich mit sechs Riesen-Sternen, jeder drei Meter im Durchmesser, ein traumhaft illuminiertes Rathaus und viele architektonisch perfekt konzipierte LEDs, etwa 100 000 an der Zahl, sprechen für sich", erklärt der PWG-Chef.

"Natürlich ist mir klar, dass wir in Weiden mit neun Lichterketten nicht gegen eine 200 000-Euro-Beleuchtung in Amberg ankommen", sagt Andrea Schild-Janker zerknirscht und bedauert, dass ihr Satz nicht so bei den Ambergern angekommen ist, wie er eigentlich gedacht war: als Witz. Pah, über neun Lichterketten oder eine 200 000 Euro teure Weihnachtsbeleuchtung können andere nur müde lächeln. Die Scheichs in den Vereinigten Arabischen Emiraten zum Beispiel.

Sie denken grundsätzlich nur in Superlativen: Dubai Mall mit einem Seewasser-Aquarium über drei Etagen; Mall of the Emirates mit dem größten Indoor-Skipark der Welt; Burj Khalifa als höchstes Gebäude auf dem Erdball mit einem Aufzug, der einen in nur 55 Sekunden in die 124. Etage (da ist aber noch lange nicht Ende der Fahnenstange) katapultiert; Dubai Fountain mit dem größten Wasserspiel auf unserem Planeten, dessen Fontänen bis zu 150 Meter hoch steigen.

So, genug vom Größenwahn in der arabischen Wüste. In Amberg und Weiden ist Advent, da sollte eigentlich weihnachtlich-beleuchteter Frieden herrschen - ob nun mit neun Lichterketten oder einem Lichterteppich aus 100 000 LEDs.
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