Offene Arme für Flüchtlinge

Petra und Werner Konheiser sowie deren Mitstreiter von Amberger Bunt, Michael Geiss und Stadtrat Aydin Ayten (von links), saßen auf dem Podium im Gewerkschaftshaus, um das Bündnis "Amberg hilft Menschen" aus der Taufe zu heben. Bild: Hartl

Gekommen waren Menschen, denen das Schicksal von Flüchtlingen nicht egal ist. Sie wollen sich engagieren, ihnen im Alltag zur Seite stehen - sei es bei Behördengängen, bei Freizeitaktivitäten oder beim Einkaufen.

Zu dem Treffen hatte Werner Konheiser, Sprecher der politischen Gruppierung Amberger Bunt, eingeladen. Er und seine Mitstreiter wollen das Bündnis "Amberg hilft Menschen" gründen. Die Frage nach dem gemeinsamen Beweggrund all derer, die am Dienstagabend ins Gewerkschaftshaus gekommen waren, beantwortete Konheiser mit einem Wort: Moral. "Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu", hat der Philosoph Immanuel Kant einst gesagt. Der Sprecher von Amberger Bunt erläuterte den 30 Interessierten, was dieser Satz seiner Meinung nach beinhaltet: den Weltfrieden und die zehn Gebote.

"Da könnte man weinen"

Mit auf dem Podium saß Konheisers Kollege von Amberger Bunt, Stadtrat Aydin Ayten. Er erzählte, dass er bei sich zu Hause einen 19 Jahre alten Syrer aufgenommen hat. "Wenn man seine Geschichte hört, könnte man manchmal weinen", sagte er. Der junge Mann hatte in seiner Heimat eine Arbeit, ein Haus, ein Auto - "von einem Tag auf den anderen war alles weg und er musste Angst um sein Leben haben." Eindringlich appellierte Ayten an die Anwesenden, den Menschen zu helfen. "Wir als Deutsche wissen doch, was Krieg bedeutet." Die Zielsetzung hätte ursprünglich zehn Punkte umfasst, doch jetzt habe er sie auf drei reduziert, erklärte Konheiser und zählte sie auf: Hilfe für Flüchtlinge durch Patenschaften, Zusammenarbeit mit Flüchtlingsinitiativen und Öffentlichkeitsarbeit, wozu er auch die politische Aufklärung zählt. Eingerichtet werden sollen drei Arbeitskreise: zentrale Organisation, Patenschaften und praktische Arbeit sowie Öffentlichkeitsarbeit.

Um bekannt zu werden und für das eigene Anliegen zu werben, will das Bündnis einen Aktionstag initiieren. Ort und Datum stehen laut Konheiser schon fest: Samstag, 28. Februar, vor dem Rathaus. Geplant ist seinen Worten nach ein Infostand, an dem Videoclips über Kriegsflüchtlinge gezeigt und Flyer verteilt werden sollen.

"Pegida schürt mit dumpfen Parolen die Fremdenfeindlichkeit. Ich erkenne dahinter latenten Rassismus und auch offene Fremdenfeindlichkeit", sagte Konheiser, um deutlich zu machen, dass Aufklärungsarbeit wichtig sei. "Deutschland braucht Zuwanderung", unterstrich er. "Sonst werden irgendwann die jetzigen Deutschen das Sozialsystem nicht mehr bezahlen können." Nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Flüchtlingshilfe-Projekten, sondern als Ergänzung sieht er das Bündnis: "Zusammenarbeit hat oberste Priorität." Helfen wollen Konheiser und seine Mitstreiter vor allem durch Patenschaften. "Da können wir richtig gute Arbeit leisten", zeigte er sich überzeugt. Den Interessierten stellte er die Möglichkeiten einer Beteiligung vor: als offizieller Unterstützer, der ideell hinter der Sache stehe und sie mit Geld- oder Sachspenden unterstütze, durch aktive Mitarbeit in mindestens einem der Arbeitskreise.

Hilfe bei Bewerbungen

Bei der Diskussion stellte Anne Kuchler von der Flüchtlings- und Ausländerberatung der Caritas die bestehenden Angebote vor. Auch brachte sie Ideen vor, wie Menschen durch Patenschaften konkret helfen könnten: beim Ausfüllen von Formularen, bei Behördengängen und Bewerbungen. Werner Konheiser und alle, die sich für das Bündnis engagieren wollen, sehen auch eine Signalwirkung für eine Willkommenskultur: "Wir wollen sie mit offenen Armen aufnehmen." (Angemerkt)
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