Ohne den einsamen Trommler

Vor dem Elfmeterschießen im Pokal am Mittwoch in Regensburg: Trainer Timo Rost (links hinten) stimmt sein Team intensiv ein. Ohne Erfolg. Der FC Amberg verlor mit 4:6. Viel Kraft habe die Partie gekostet, sagt Rost. Jetzt steht am Samstag das Punktspiel gegen den SV Illertissen an. Bild: Ziegler

Die Regionalliga Bayern "ist sehr schwer und sehr ausgeglichen", sagt Matthias Endler. Seit drei Jahren spielt seine Mannschaft in dieser Liga, und in diesem Jahr kann der Geschäftsführer des SV Illertissen nach neun Spieltagen kaum einschätzen, wer sich auf welchem Platz halten kann. Jetzt kommen die Schwaben zum FC Amberg.

Ab heute geht es wieder um Punkte in der Regionalliga Bayern. Ganz oben thront da weiterhin der Jahn Regensburg, der bereits acht Punkte Vorsprung auf seine drei punktgleichen Verfolger Wacker Burghausen, 1. FC Nürnberg II und Bayern München II (je 17) hat. Die Bayern-Amateure haben allerdings noch zwei Nachholspiele, könnten also bis auf zwei Punkte an den Jahn heranrücken. Danach folgt ein Mittelfeld, das vom Tabellenfünften FC Amberg bis zum 16. Platz und damit der SpVgg Greuther Fürth II reicht - all diese Mannschaften trennen nur vier Zähler.

Umso wichtiger wäre es also für den FC Amberg, an diesem Wochenende vor eigener Kulisse zu punkten, wenn der FV Illertissen an die Vils kommt. Illertissen war vor einigen Jahren nur echten Fußballexperten ein Begriff. Aufmerksam wurde man hierzulande auf die Schwaben erst in der Saison 2012/13, als der Verein vom württembergischen zum bayerischen Fußballverband wechselte und ab da in der Regionalliga Bayern spielte. Das aber von Beginn an erfolgreich: In der Premierensaison wurden die Schwaben hinter 1860 und Bayern Dritter, im Jahr darauf feierten sie die Vizemeisterschaft, erneut hinter dem FC Bayern München. Der Lohn: Die zweimalige Teilnahme an der DFB-Pokal-Endrunde. Dort schied Illertissen zwei Mal in der ersten Runde gegen Bundesligisten aus: 0:2 gegen Eintracht Frankfurt, beim 2:3 nach Verlängerung gegen Werder Bremen kratzte man im August 2014 immerhin an der Pokalsensation.

In der vergangenen Saison folgte dann die erste schwächere Spielzeit der Schwaben, die inzwischen seit vier Jahren von Holger Bachthaler trainiert werden. Sie wurden nur Neunter - ein fast ungewohntes Gefühl beim FVI. In der aktuellen Saison steht Illertissen auf Rang 7.

FVI-Geschäftsführer Matthias Endler ist damit nicht so ganz zufrieden: "Eigentlich hätten wir uns mehr erwartet. Aber die Liga ist sehr schwer und sehr ausgeglichen. Wir lassen uns überraschen, was am Ende rauskommt."

Der FV Illertissen ist hierzulande unbekannt. Wobei man zumindest Stefan Dömsödi kennen könnte. Der erlangte vor gut zwei Jahren Kultstatus, als ein Video bei Youtube auftauchte, das ihn als einzigen (und fast schon verloren wirkenden) lautstarken Unterstützer seiner Elf beim Auswärtsspiel in Fürth zeigte. Ein Video, das im Nachhinein viel Licht auf die Illertissener Fanlandschaft warf, aber letztlich nicht viel änderte, wie Matthias Endler zugibt: "Da war medial viel los, aber wir haben deshalb jetzt nicht mehr Andrang als vorher. Mit so einem uralten Stadion ist es aber auch nicht so einfach, neue Fans anzulocken."

Dömsödi selbst sei inzwischen beruflich viel in Norddeutschland unterwegs und war in dieser Saison noch nicht bei FVI-Partien zu Gast, weder auswärts noch daheim, so Endler. Auch in Amberg wird man ihn wohl vergeblich suchen. Doch selbst wenn: Ob sich der FC Amberg von einem einsamen Trommler irritieren lassen würde, sei dahingestellt.
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