Park-Zukunft kann beginnen

Es ist nur ein Entwurf. Doch so könnte das Parkhaus aussehen, das neben der Hochschule entstehen soll. Repro: AZ

Auf dem rustikalen Arbeitstisch des Amberger Baureferenten stapeln sich die Pläne. Markus Kühne ist vorbereitet. Wenn gewünscht, kann er die Anzahl der Parkplätze rund um die Altstadt verdoppeln.

Sind es der Hase und der Igel, die Henne und das Ei? Markus Kühne ist das relativ egal. Seit er Amberger Baureferent ist, bekommt er gebetsmühlenartig zu hören, dass es in Amberg zu wenig Parkplätze gebe, dass gleichzeitig die öffentlichen Garagen leer stehen und dass es wegen zu wenig oder falsch lokalisierten Parkflächen in Ambergs Innenstadt keine Entwicklung gebe. "Die Frage ist doch: Baut man erst die Parkplätze oder wartet man, dass sich zunächst Geschäfte ansiedeln?", bringt Kühne das Dilemma auf den Punkt.

Im Baureferat haben sich die kreativen Geister um Markus Kühne dazu entschieden, diesem Teufelskreis ein Ende zu machen. Beispielsweise durch die Verdoppelung der vorhandenen Stellplätze in den umliegenden Hoch- und Tiefgaragen. "Wenn wir das wollen, dann können wir das auch." Die Pläne liegen schon bereit. Es fehlt noch das Grüne Licht des Stadtrats und das nötige Geld. "Es ist eine Wette auf die Zukunft, wenn wir das umsetzen", sagt Markus Kühne. "Wir wollen diesen unsäglichen Kreislauf einfach durchbrechen und in Vorleistung gehen."

Parken am Mufu-Platz

Erste Station: Multifunktionsplatz, Beton gewordene Öde an einem wenig prickelnden Eingang zur Altstadt. Hier passt eine Hochgarage hin. Aber die soll mehr sein, als nur eine weitere Fläche, auf der Autos abgestellt werden. Markus Kühne rollt den Plan auf. Dach und Fassade des neuen Gebäudes sind grün. Nicht gestrichen, hier wächst viel Gras, dürfen Bäume und Kletterpflanzen direkt an der Fassade den vorhandenen Grünzug rund um die Altstadt aufgreifen und fortführen.

150 Parkplätze könnten hier neu entstehen. Im Erdgeschoss des Gebäudes sind Läden vorgesehen. Damit, so sagt Kühne, beginne das Einkaufserlebnis Altstadt schon hier. "Die Bürgerskulptur würde ich noch ein paar Meter weiter ziehen." Sie steht auf dem Plan vor einem gemütlichen Café, das durch das Parkhaus vom Verkehrslärm des Altstadtrings abgeschirmt wäre. Doch oben wartet der Clou: ein Restaurant auf dem Dach. "Einen Interessenten habe ich schon", sagt Kühne. Übrigens auch große Neugierde vom Eigentümer der darunter liegenden Bahnhofsgarage. Die Stadtbau GmbH wäre wohl nicht abgeneigt, hier mitzumachen. Beide Garagen könnten zudem mit einer gemeinsamen Einfahrt deutlich aufgewertet werden.

Parkdeck bei der OTH

Zweite Station: Ostbayerische Technische Hochschule (OTH). Erst kürzlich hat die Stadt einen Teil des wenig genutzten Parkplatzes zwischen OTH und Grammer an die Hochschule abgetreten. Doch gerade hier wäre der ganz große Wurf des Baureferats möglich: das Parkhaus über dem Altstadtring. Gut 400 Stellplätze könnten hier entstehen. "Für die Studenten, die benachbarten Unternehmen, für die Besucher der Stadt."

Markus Kühne hat schon den nächsten Plan auf dem Tisch ausgerollt. Die Garage selbst steht auf Stelzen, zieht sich über den Ring hinüber bis zum Stadtgraben. Wer sein Auto verlässt, braucht nicht über die vierspurige Straße zu gehen, um direkt in die Weststadt zu gelangen. "Damit signalisieren wir: Ihr seid ein Teil der Stadt." Sagt Kühne, dem ein reines Parkhaus natürlich viel zu wenig ist. "Im Erdgeschoss, da könnte zum Beispiel ein neues Entree für die Hochschule geschaffen werden." Denn ein zentrales Empfangsgebäude der OTH existiere ja nicht.

Und obendrauf auf die Garage, da sollte nach seinen Vorstellungen die Hochschule eine Cafeteria setzten oder ganz spezielle Lernzellen, Kühne nennt sie Think Tanks, Tagungsräume oder andere Einrichtungen. Wichtig ist ihm, dass aus der unscheinbaren Schotterfläche ein deutlich sichtbares Zeichen wird: Da ist ein Parkhaus. Von hier aus geht es direkt in die Altstadt. Ein Zeichen für die deutliche Aufwertung der Weststadt. "Wir können ja nicht nur an den Osten mit dem Bürgerspitalgelände und dem Forum denken."

Dritte Station: Kräuterwiese. Ein beliebtes Parkdeck bei all denen, die in der Altstadt arbeiten. 285 Stellplätze, eine Verdoppelung wäre fast möglich. Der nächste Plan wird entrollt. Die Ein- und Ausfahrtssituation über den Gehsteig und den Radweg ist etwas ungünstig. Hier schwebt den Planern eine gewisse Entkoppelung vor. Der Entwurf sieht vor, die Zufahrt weiter in Richtung Norden zu schieben, die Ausfahrt an der bisherigen Stelle zu lassen. Damit entstünde gleichzeitig eine längere Stauzone auf dem Deck, die einfahrenden Fahrzeuge müssten nicht auf der Sulzbacher Straße stehen bleiben.

"Wir verstehen den Leidensdruck, wir bieten etwas an", sagt Markus Kühne an dieser Stelle. Beispielsweise auch eine optische Verbesserung der Einfahrt zur Tiefgarage am Pfalzgrafenring. "Es muss halt auch jemand bezahlen." Wichtig ist ihm die Entwicklung von innen nach außen. Amberg muss nach Ansicht des Baureferenten erst in seiner Mitte attraktiv sein, dann an den Rändern gestärkt werden, nicht umgekehrt.

Vierte Station: Marienstraße. Wie eine Mauer schneidet die Bahnlinie dieses Parkhaus von der Innenstadt ab. Wer hier sein Auto abstellt, geht garantiert nicht in die Altstadt zum Shoppen. Das soll sich ändern. Markus Kühne zieht sein Smartphone heraus, zeigt Fotos. Derzeit bauen die Mitarbeiter des Baureferats an einem großen Modell. Ein neues Parkdeck neben dem alten, verbunden mit gewagten Rampen über die Bahnlinie hinweg mit der Innenstadt.

Mariendeck an Klinikum

"Ganz ehrlich, ich würde das Mariendeck alt komplett an das Klinikum abtreten." Markus Kühne wirft einen Blick in die Zukunft. Auf der sanierten Freifläche daneben entsteht in seiner Vorstellung ein ganz neues Parkdeck mit einer komplett neuen Zufahrtssituation. Die Rampen, auf denen die Menschen künftig das neue Multiplexkino oder die Altstadt ansteuern können, sind nicht nur Wege. Hier finden sich Geschäfte, vielleicht ein Hotel und vieles mehr. Und oben auf das Dach des neuen Mariendecks würde Markus Kühne eine Discothek bauen. "Schließlich sind wir ja Studentenstadt, da müssen wir schon was bieten."

Natürlich, es sind alles Visionen, die Markus Kühne da vorstellt. "Aber wir sind keine Fantasten." Darauf legt er Wert. Alle Pläne könnten sofort umgesetzt werden, wenn der Stadtrat das nötige Geld freigibt oder die städtischen Töchter als Eigentümer Grünes Licht geben.

Denn natürlich kostet die Zukunft etwas, das macht der Baureferent deutlich. Aber es könnte auch die Zukunft kosten, wenn nichts passiert.
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