Party zu dritt im Schlafzimmer

Nur das Urteil und die Begründung waren öffentlich. Dabei wurde deutlich: Zwei vor der Jugendkammer des Landgerichts sitzende junge Männer hatten eine willenlose 17-Jährige sexuell missbraucht. Das geschah während einer Party, die in einem Schlafzimmer stattfand.

Zwei Tage verhandelte die unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Dr. Wolfgang Schmalzbauer tagende Jugendkammer hinter verschlossenen Türen. Zur Urteilsverkündung war die Öffentlichkeit zugelassen.

Über eine Stunde lang setzte sich Schmalzbauer dabei mit dem Fall auseinander, der im Sommer vergangenen Jahres umfangreiche Ermittlungen der Behörden nach sich gezogen hatte.

Seinen Ausführungen stellte der Kammervorsitzende folgenden Satz voran: "Wir haben es hier mit einem Vorgang zu tun, der an Dummheit nicht zu übertreffen war." Warum? Schmalzbauer schilderte, dass eine 17-Jährige die Schule schwänzte, sich in Amberg mit zwei ihr seit langem bekannten jungen Männern traf und dabei wohl äußerte: "Ich will Party."

Alles auf Video

Die jungen Leute kauften alkoholische Getränke ein. Dann begann die Feier zu dritt in einem Zimmer, in dem - so der Richter - "eigentlich nur ein Bett stand". Es wurde getrunken. So viel, dass die 17-Jährige über drei Promille hatte. Vollrausch und damit ein Zustand der Willenlosigkeit. Auch ihre Freunde waren nicht nüchtern. Schließlich sei es dann zu Missbrauchshandlungen an der jungen Frau gekommen. "Das", so deutete Schmalzbauer an, "wurde durch Schnappschüsse und Videoaufnahmen festgehalten." Während der nichtöffentlichen Verhandlung mussten sich die Prozessbeteiligten diese Aufzeichnungen ansehen.

Die den Fall bearbeitende Staatsanwältin Michaela Frauendorfer hatte in ihrem Plädoyer längere Haftstrafen für die beiden heute 18 und 19 Jahre alten Angeklagten beantragt. Dem Vernehmen nach soll sie viereinhalb Jahre gefordert haben. Die Jugendkammer entschied völlig anders: Sie verurteilte die Beschuldigten zu jeweils zwei Jahren Haft mit Bewährung und legte ihnen außerdem 200 gemeinnützig zu leistende Arbeitsstunden auf.

In der Urteilsbegründung unterstrich der Vorsitzende, dass man die Gesamtsituation betrachten müsse. Auf der einen Seite eine junge Frau, die Party feiern wollte und sich freiwillig mit zwei Männern in ein Schlafzimmer zurückzog. Auf der anderen Seite Männer, "die ihre Sauereien auch noch dokumentierten". Sehr deutlich führte ihnen Schmalzbauer vor Augen: "Wir haben keine konkrete Einwilligung in die sexuellen Handlungen vonseiten des Opfers feststellen können." Außerdem: "Die Angeklagten waren voll in der Lage, ihr unrechtes Tun zu erkennen. Denn so betrunken waren sie nicht."

Die per Handy aufgezeichneten Videos hatten die Angeklagten später gelöscht. Doch Spezialisten der Polizei stellten sie wieder her. Im Juli 2014 waren die jungen Männer, zuvor nie mit dem Gesetz kollidiert, in U-Haft genommen worden. "Sie besitzen jetzt einen Eindruck davon, wie es hinter Gittern ist", unterstrich Schmalzbauer.

Jetzt wieder frei

Nur deshalb habe man sich entschlossen, Bewährung zu geben. Das, fügte Schmalzbauer hinzu, wäre bei Erwachsenen niemals in Frage gekommen. Die Haftbefehle gegen beide Verurteilten wurden aufgehoben.
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