Pausenlos am Sunset Boulevard

Im Bus ist es ruhig. Trotz der 40 Schauspieler und Musiker von Sunset Boulevard unter einem Dach kann Cornelia Drese ungestört telefonieren. 39 Auftritte lügen nicht. Die Künstler nutzen jeden Moment der Ruhe. Bis Weihnachten haben sie keinen freien Tag mehr.

Cornelia Drese befindet sich Freitagmittag noch auf dem Weg nach Villingen, ab Montag steht die Truppe im Amberger Stadttheater auf der Bühne. Drei Vorstellungstermine sind anberaumt. Für die gebürtige Dresdenerin, die als Norma Desmond eine der Hauptprotagonistinnen verkörpert, fast ein Heimspiel. 2013 unterrichtete die Musical-Darstellerin an der Berufsfachschule für Musik in Sulzbach-Rosenberg.

Sie verkörpern gerne Diven?

Na ja, das hat sich im Laufe meiner Karriere einfach so ergeben. Muss ich ja wohl auch, sonst könnte ich es nicht spielen. Neben dem Auftreten braucht es natürlich auch die stimmliche Voraussetzung für die einzelnen Rollen.

Sind Sie privat auch eine?

(lacht) Nein. Überhaupt nicht. Ich bin ganz bodenständig. Natürlich kann ich auch strenger werden, wenn es erforderlich ist, aber das ist zum Glück nicht oft notwendig.

Ihre bisherigen Rollen lesen sich wie ein Who-is-who aus der Filmbranche: Polly Peachum in der Dreigroschenoper, Eva Perón in Evita, Eliza in My fair Lady, Fantine in Les Misérables und so weiter - haben Sie eine Favoritin?

Ja, mehrere sogar. In Evita die Eva Perón. Die Grizabella in Cats, das ist die Katze, die Memories singt. Und die aktuelle Rolle: Norma Desmond.

Was fasziniert Sie so an Norma?

Sie ist extravagant, extrovertiert und durchgeknallt.

Wie oft haben Sie die Rolle bereits gespielt?

Wir hatten bisher 39 Vorstellungen in Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien. Gerade kommen wir aus Schlanders (Anm. d. Redaktion: Südtirol) und fahren nach Villingen. Wir sind schon seit 8 Uhr unterwegs.

Alle gemeinsam im Bus?

Ja, wir sind 40 Leute im Ensemble, 20 davon gehören zum Orchester. Inzwischen sind wir eine familiäre Gemeinschaft. Da akzeptiert jeder die Ruhepausen der anderen. Muss man auch, wir haben bis Weihnachten keinen freien Tag. Abends wachen dann alle wieder auf.

Als ehemalige Dozentin an der Berufsfachschule für Musik in Sulzbach-Rosenberg waren Sie sicher schon mal in Amberg.

Ja, genau genommen im Juni, da haben wir im Stadttheater eine Gala präsentiert. Am Montag kommen übrigens viele meiner ehemaligen Schüler in die Vorstellung. Darauf freue ich mich sehr.

Was haben Sie unterrichtet?

Musical-Gesang.

Und warum haben Sie dort aufgehört?

Nun, ich wohne in Dresden. Das war ein großer Fahraufwand. Und außerdem hat sich das mit der Rolle ergeben, mit der ich mir einen künstlerischen Traum erfüllt habe und wieder auf die Bühne zurückgekehrt bin. In Dresden habe ich außerdem die von mir gegründete Musicalwerkstatt "Oh-Töne" mit ungefähr 80 Schülern und einen sehr erfolgreichen Musicalchor.

Was geben Sie jungen Menschen mit auf den Weg, die Ihre Karriere als Traumberuf sehen und ebenfalls durchstarten möchten?

Inzwischen ist es sehr viel schwerer geworden in der Branche Fuß zu fassen. Aber ein Tipp könnte lauten, es wirklich zu wollen, sehr viel Kraft dafür aufzuwenden und fleißig zu sein. Ein zweiter Tipp ist, sich ein zweites Standbein zur Existenzsicherung zu suchen.
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