Penalty-Krimi mit Happy End

Penalty-Duell Daniel Krieger (rechts) gegen Goalie Michael Gundlach: Der ERSC-Stürmer behielt die Nerven und schoss seine Mannschaft zum Sieg. Bild: brü

Was für ein Eishockeyspiel: Landesliga-Tabellenführer Bad Kissingen sieht beim ERSC Amberg schon wie der sichere Sieger aus. Dann schlagen die Löwen im Schlussdrittel gleich doppelt zurück - und der Spitzenreiter ist keiner mehr.

Der ERSC siegte im Penaltyschießen dank eines Treffers von Daniel Krieger - und stießen die Wölfe vom Thron. Die Gastgeber egalisierten dabei zunächst einen Zwei-Tore-Rückstand und überstanden beim Stand von 3:4 auch noch eine möglicherweise vorentscheidende Unterzahl nach einer Spieldauerstrafe für Schönberger unbeschadet.

"Daumen hoch" gab es für beide Teams, Bestnoten aber für deren Torhüter, wobei Ambergs Oli Engmann nicht nur wegen dreier parierter Penaltys die Nase vorne hatte. Kennzeichnend für die Partie war ein hohes Tempo, das sich nach kurzer Abtastphase am Anfang dann bis zur Endsirene fortsetzte. Die Gäste hatten mit ihrem punktuell hochkarätig besetzten Kader spieltechnische Vorteile, dem ERSC steckten die zwei vorangegangenen Niederlagen noch etwas in den Köpfen. Zunächst konnten beide Teams gezielt die Aufbauaktionen des Gegners stören, weshalb zwingende Aktionen die Ausnahme blieben. Umso überraschender dann die Führung der Gäste, nur 20 Sekunden vor Ende des 1. Drittels, initiiert von Spielertrainer Mikhail Nemirovsky und abgeschlossen von Victor Ledin.

Aber gleich zu Beginn des Mittelabschnittes hatte der ERSC die richtige Antwort parat und kam durch David Rybka zum Ausgleich. Vorbereiter - wie bei allen weiteren Amberger Treffern - war Abwehrchef Boris Flamik. Danach bekamen die Wölfe aus Unterfranken Oberwasser und das Tor von Oliver Engmann stand mehrfach unter Dauerbeschuss. Die Löwen konnten sich aus der Umklammerung lösen und setzten ihrerseits dann die Nadelstiche. Die beste Gelegenheit zur erstmaligen Führung hatte Krieger, der alleine vor Gästegoalie Michael Gundlach scheiterte. Die Tormöglichkeiten wechselten nun beinahe ständig, aber während Roman Göldner zum 1:2 für Bad Kissingen traf, wurde Florian Bartels Schuss kurz vor Drittelende gerade noch von der Linie gefischt.

Knappe Führung zur letzten Pause also für die Gäste, die bis dahin etwas zielstrebiger wirkten. Ins Schlussdrittel starteten erneut die Amberger Löwen mit einer dicken Chance und wieder war es Rybka, der den Ausgleich auf dem Schläger hatte. Gelegenheiten gab es beiderseits weiterhin nahezu im Halb-Minutentakt. Kissingens Ex-DEL-Stürmer Konstantin Firsanov fand dann die Lücke zum 1:3.

Nun schienen die Aktien des ERSC tief in den Keller gefallen zu sein und kaum einer im Stadion hätte da noch auf die Gastgeber gesetzt. Doch schon eine knappe Minute später verkürzte Sebastian Aukofer zum 2:3 und nach weiteren 20 Sekunden hämmerte Michael Augsberger die Scheibe zum 3:3 ins Netz - und schon waren die Löwen wieder im Geschäft.

Die nun völlig euphorisierten Zuschauer erlebten ein Wechselbad der Gefühle, denn eine fragwürdige Strafzeit gegen den ERSC nutzte erneut Firsanov zum 3:4 für den Favoriten. Ganz schlechte Papiere hatten die Löwen kurz darauf durch die folgende fünfminütige Strafzeit wegen einer Spieldauerstrafe für Christoph Schönberger. Der war mit Ledin heftig zusammengeprallt, was die Unparteiischen wegen einer blutigen Nase für den Gästestürmer nachträglich als "unnötige Härte" des Amberger Verteidigers bewerteten. Insgesamt war es aber ein wohltuend fairer Auftritt aller Akteure auf dem Eis. Dank des enormen Teameinsatzes und den "tausend Händen" von Engmann überstanden die Löwen diese prekäre Situation und nutzten ihrerseits eine Powerplay-Situation durch Bartels zum nun völlig verdienten 4:4-Ausgleich. Es spricht für den sportlichen Ehrgeiz der Mannschaften, dass jede noch in der regulären Spielzeit die Entscheidung suchte. Am nächsten kam da Krieger mit einem Pfostentreffer - dann ging es ins Penaltyschießen mit dem besseren Ende für die Löwen.
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