Pfarrei braucht noch Bedenkzeit

Erst protestierten die Anlieger, dann schien ein tragfähiger Kompromiss gefunden. Jetzt braucht die Kirche plötzlich Bedenkzeit. Es ging im Stadtrat am Montag wieder einmal um ein Grundstück auf der Martinshöhe.

Seit der Bebauungsplan Martinshöhe rechtskräftig ist - seit 1993 - ist auf dem Grundstück, um das es geht, nicht viel passiert. Es gehört der Pfarrei St. Georg, die daneben den integrativen Kindergarten St. Sebastian unterhält. Der Bebauungsplan sieht an dieser Stelle ein mögliches Gemeindezentrum vor, in dem beispielsweise auch Gottesdienste abgehalten werden könnten.

Allerdings hat die Pfarrei diese Pläne dann nicht weiterverfolgt, irgendwann wurde das Grundstück teilweise zu einer Parkfläche umgestaltet. Nun wollte St. Georg die Fläche verkaufen; das Geld sollte nach eigenen Aussagen für die Renovierung der Friedhofskirche St. Katharina hergenommen werden. Die Absicht, dort ein zweistöckiges Mehrfamilienhaus zu errichten, brachte allerdings die Nachbarn auf den Plan, die befürchteten, von einem solchen "Monsterbau" förmlich erdrückt zu werden.

Nun gehört es zum neuen Stil im Stadtrat und der Verwaltung, solche Dinge nicht einfach durchzudrücken, sondern mit den Betroffenen zu reden und nach einem tragfähigen Kompromiss zu suchen. Der schien auch gefunden, wie Baureferent Markus Kühne am Montag im Stadtrat berichtete. Der neue Änderungsentwurf für den Bebauungsplan sieht jetzt an dieser Stelle zwei zweistöckige Einfamilienhäuser vor. Damit, so die übereinstimmende Meinung, könne die Pfarrei ihr Grundstück immer noch gewinnbringend vermarkten - und den Anliegen der Anwohner wäre ebenfalls Rechnung getragen.

Noch einmal zwei Monate

Jetzt habe die Pfarrei noch einmal um Bedenkzeit gebeten, so Kühne. "Sie fürchtet eine deutliche Wertminderung des Grundstücks." Er würde aber der Pfarrei nicht das abschlagen, was den Anwohnern auch zugestanden worden sei und bitte daher, das Thema um zwei Monate zurückzustellen, sagte der Referent. Ein Vorschlag, dem das Gremium zwar einstimmig nachkam - allerdings mit einiger Verwunderung.

"Ich kann es trotzdem nicht nachvollziehen", merkte CSU-Fraktionsvorsitzender Dieter Mußemann an. "Die Pfarrei wollte doch verkaufen und nicht selbst dort bauen." Das Grundstück aber sei vom Gutachterausschuss bewertet, besitze also einen bestimmten Wert. Wohingegen Dieter Amann (SPD) der Meinung war, St. Georg habe wahrscheinlich mit der ersten Planung mehr erlösen können als jetzt. (Angemerkt)
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