Pfarrer Meilers Bescherung

Der an Krebs erkrankte Stadtpfarrer Franz Meiler hielt zur Überraschung vieler Gläubiger in der Basilika St. Martin die Predigten in der Christmette und am ersten Weihnachtsfeiertag.
Lokales
Amberg in der Oberpfalz
26.12.2014
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Das schönste Geschenk gab es für viele Amberger an Heiligabend erst zu späterer Stunde. Der schwer erkrankte Stadtpfarrer Franz Meiler hielt die Christmette und gab den Gläubigen eine starke Botschaft mit auf den Weg.

(upl/doz) "Fürchtet Euch nicht!" Das, was die Engel vor den Toren Bethlehems den verängstigten Hirten zuriefen, empfahl der 66-jährige Geistliche auch den Gläubigen. In einer sehr emotionalen Predigt sagte er in der Basilika St. Martin: "In diesen Tagen, da ich selbst dunkle Nächte erfahren sollte, ist mir Weihnachten anders aufgegangen. Ich höre diese Botschaft heute auf dem Hintergrund mancher Dunkelheit und sehe ein Licht leuchten, das Jesus selber ist."

Viele Gottesdienstbesucher zeigten sich nach der Messe begeistert. "Die Worte von Pfarrer Meiler waren für mich das schönste Weihnachtsgeschenk", sagte eine Frau, als sie nach dem Schlusssegen hinaus ging in die Nacht. Beim Stadtpfarrer war im Oktober eine Krebserkrankung festgestellt worden. Mittlerweile hat er die erste Chemotherapie hinter sich und fühlte sich stark genug, die feierlichen Messen durchzuhalten. "Er wollte es sich nicht nehmen lassen, dieses Weihnachtsfest mit seiner Pfarrgemeinde zu feiern", hieß es aus seinem Umfeld. "Das war ihm unglaublich wichtig." Er sei überzeugt und froh darüber, dass viele Menschen an einen offenen Himmel glauben, betonte Meiler in seiner Metten-Predigt. "Sonst hätten mir so viele nicht gesagt: ,Ich bete für Sie.'" Hinter einem solchen Versprechen stehe der Glaube an einen allgegenwärtigen und liebenden Gott, einen Gott, der jegliche Angst nimmt und Zuversicht gibt.

Emotional verlief auch das festliche Hochamt am ersten Weihnachtsfeiertag in St. Martin. Am Ende des Gottesdienstes spendeten die Gläubigen Pfarrer Meiler langanhaltenden Beifall. Zuvor zeichnete der Stadtpfarrer noch Regionalkantor Bernhard Müllers dafür aus, dass er die Weihnachtsmesse seit 25 Jahren auch zu einem besonderen musikalischen Erlebnis macht. Immer zu Weihnachten trommelt Müllers die besten Musiker aus der Region zusammen, um eine Orchestermesse aufzuführen. Bei der Messe in B-Dur von Franz Schubert glänzte der Kirchenchor der Pfarrei sowie die Solisten Iris Kotzian (Sopran), Joanna Pajak (Alt), Stefan Beierl (Tenor) und Andreas Köteles (Bass).

Nicht ohne den Witz

Die Messe endete nicht ohne den obligatorischen Witz von Pfarrer Meiler. Diesmal erzählte er, wie drei Ministranten stritten, welcher Pfarrer der schönste sei. "Unserer hat kohlschwarzes Haar", sagte der eine. "Das Haar unserer Pfarrers ist schlohweiß", entgegnete der andere. "Unserer hat nur noch seinen Kopf", meinte der Dritte.

Die evangelischen Christen feierten unter anderem in der Erlöserkirche. Die Konfirmanden führten ein Verkündungsspiel auf, in dem es darum ging, dass Gott den Menschen in vielen Gestalten begegnet. Etwa als Kind, als Bettlerin oder als Pilgerin. Pfarrer Johannes Blohm griff dieses Thema in seiner Predigt auf. Er erklärte, dass man den Heiligabend natürlich genießen dürfe - mit Gästen, einem gedeckten Tisch und auch Geschenken. Das gehöre sicher dazu. Blohm appellierte allerdings: "Aber dann bleiben wir nicht in unseren Sesseln sitzen, wenn es klingelt und einer an unsere Herzenstüre klopft. Vielleicht ist es ja Gott, der uns in der Gestalt eines Fremden besuchen will." (Angemerkt)
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