Pfarrsaal als Notlager

Zeitvertreib vor dem Notaufnahmelager in der Barbaraschule: Flüchtlinge aus dem Irak und Syrien spielen auf dem Pausenhof Schach. Bild: Hartl

Der Papst nimmt die katholische Kirche in die Pflicht. Jede Pfarrei soll eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen, sagte er am Sonntag beim Angelus-Gebet in Rom. Der Appell ist auch in Amberg angekommen. Doch schnelle Lösungen wird es wohl nicht geben.

"Da ist jede Pfarrei gefordert, für sich zu schauen, ob entsprechender Wohnraum zur Verfügung steht", sagt Dekan Markus Brunner. Er ist zuständig für 13 Pfarreien im Dekanat Amberg-Ensdorf. Das Problem: "Es gibt zwar in vielen Fällen Räume in den Pfarrheimen, die in Frage kommen, oft fehlen dann aber sanitäre Anlagen wie Duschen oder Bäder." Dekan Brunner, der die Pfarrei St. Georg leitet, will das Thema in der nächsten Pfarrgemeinderatssitzung besprechen.

Bei Betreuung helfen

Wenn die Pfarreien keinen Wohnraum zur Verfügung stellen können, könnten sie auch bei der Betreuung helfen. "Da gibt es viele Anknüpfungspunkte", sagt der Dekan. Sein Amtskollege Walter Hellauer (Dekanat Sulzbach-Hirschau) zählt einige auf: "In der Pfarrei St. Marien in Sulzbach sind bereits mehrere Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit aktiv. Sie gehen mit den Asylsuchenden einkaufen oder erledigen Behördengänge."

Dekan Hellauer hat dem Landkreis Amberg-Sulzbach den Pfarrsaal von St. Marien als Notlager angeboten. "Das wäre halt wirklich nur was für die Erstunterbringung", erklärt der Geistliche. Für ein dauerhaftes Wohnen sei der Saal nicht eingerichtet. Seine Pfarrei verfügt über zwei Mietshäuser. Hier könnten durchaus Asylsuchende einziehen, allerdings erst, wenn die Wohneinheiten frei werden.

Thema auch auf dem Berg

Auch auf dem Mariahilfberg ist der Appell des Papstes gehört worden. "Wir haben darüber gesprochen, wie wir helfen können", verlautete aus Kreisen der Kirchenstiftung. Eine konkrete Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Damit wollten die Verantwortlichen warten, bis Pater Janusz Wróbel aus dem Urlaub zurückkehrt. Der Guardian ist ab Montag, 14. September, wieder im Dienst. "Jede Pfarrei, jede religiöse Gemeinschaft, jedes Kloster, jeder Wallfahrtsort in Europa nimmt eine Familie auf, beginnend in meiner Diözese in Rom", hatte Papst Franziskus am vergangenen Sonntag beim Angelus-Gebet im Vatikan gesagt. Am selben Tag forderte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer in seiner Predigt, "dass Menschen, die auf der Flucht sind, um Leib und Leben fürchten müssen, die Ermordung oder Vergewaltigung von Angehörigen erleben mussten, offene Türen bei uns vorfinden müssen".

Die Türen, die Asylsuchenden in den Pfarreien der Region offenstehen, werden gerne angenommen. "Bei uns waren am Sonntag fünf Flüchtlinge im Gottesdienst", erzählt Pfarrer Hellauer. "Auch das ist ein Zeichen, dass unsere Arbeit geschätzt wird." (Angemerkt)
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