Pfiffiger Blick in die Geschichte

Die Veranstaltungsreihe Kirche und Wirtshaus mit Pfiff führte diesmal in den Auerbacher Ortsteil Ranna mit Ziel Magdalenenkirche. Nach Michelfeld mit der bekannten Asamkirche ging es damit erneut in die nördlichste Ecke des Landkreis Amberg-Sulzbach.

Über 40 Teilnehmer, unter ihnen auch der Auerbacher Heimatpfleger Hans Jürgen Kugler und Wolfgang Meiler, als Mesner und Vorsitzender des Vereins "Freunde von St. Magdalena Ranna", zeigten Interesse an der Geschichte des in den Jahren 1742/43 erbauten Kirchleins auf dem Löhnersberg.

Der damalige Erbauer

Erbauer der Magdalenenkapelle an dieser Stelle war der damalige Pfarrer Johann Trettenbach, erfuhren die Zuhörer bei der Führung durch Marianne Mimler-Hofmann. Als Hammerkirche wurde das Vorgängerkirchlein, allerdings an anderer Stelle, näher an der Pegnitz, etwa beim jetzigen Seniorenheim, im Zusammenhang mit der Ansiedlung eines Eisenhammers von dessen Besitzer im Jahr 1391 errichtet. Der Zahn der Zeit nagte an dem über 200 Jahre alten Magdalenenheiligtum, auch der 30-jährige Krieg hinterließ seine Spuren. Der Auerbacher Stadtpfarrer Johann Christoph Bayer, zu dessen Pfarrei Ranna gehörte, klagte über den Zustand: "eine öde Kapelle". Das alte Magdalenenbild sei zwar noch da, aber die Kapelle ohne Tür, Fenster und Glocken diene nicht mehr zum Beten, sondern zur Aufbewahrung alter Pflugräder, Leitern und anderem Gerümpel.

Schließlich gab der Rat von Auerbach 1656 grünes Licht für Reparaturen des Kirchleins und die Neufassung des Gnadenbilds sowie einer Erweiterung des Kirchenraums. Vier Jahre später wurde erstmals am Fest Maria Magdalena eine Prozession von Auerbach nach Ranna gemacht. Diese Tradition hielt sich bis 1840, einschließlich des Festgottesdienstes. Erneut fiel das Kirchlein in einen desolaten Zustand.

Zum Glück hatte sich mit dem Auerbacher Stadtpfarrer Johann Trettenbach rechtzeitig ein Retter gefunden. Als Sohn eines Neuhauser Schmiedemeisters war er den Hammerleuten in Ranna und ihrer Schutzpatronin verbunden. Traurig darüber, dass alte und gebrechliche Menschen kaum noch einen Gottesdienst besuchen konnten, und die Kinder nahezu ohne religiöse Unterweisung wie "die wilden Holzbirnbäume" aufwuchsen, ließ er an der Straße von Auerbach nach Neuhaus auf dem Löhnersberg (394 NN) aus eigener Tasche ein neues Kirchlein erbauen.

An der kunstvollen Einrichtung war auch der Auerbacher Bildhauer Johann Michael Doser beteiligt. Er erhielt den Auftrag den Hochaltar zu schnitzen unter Einarbeitung des alten Magdalenenbildes. Der fromme Gottesmann wollte neben der Kirche ein Haus bauen und durch eine Messstiftung sichern, dass ein Geistlicher in Ranna leben könnte.

Die arme Verwandschaft

Doch seine arme Verwandtschaft durchkreuzte diesen Plan. Sie schröpfte den Pfarrer und verhinderte dadurch, dass er weder ein Benefizienhaus noch ein Dotationskapital bei Lebzeiten erübrigen konnte. Damit sein Plan zumindest nach seinem Tod realisiert werden könnte, setzte Pfarrer Trettenbach die Magdalenenkapelle zum Alleinerben ein, wogegen die Verwandten ankämpften. Die noch übrigen 8000 Gulden wurden nach Bamberg überstellt. Angewachsen durch Zinsen auf 10 000 Gulden, wurde in Neuhaus eine Kaplanstelle eingerichtet.

Kanzel abgebaut

Bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts schmückte das Kirchlein eine Kanzel, die dann im Zuge der Liturgieerneuerung abgebaut wurde, ebenso die Kommunionbank. Dreimal "heimgesucht" wurde das Kirchlein von Einbrechern, wobei das 1980 gestohlene Marienbild vor einigen Jahren sichergestellt und zurückgegeben werden konnte.

Den ersten dringend notwendigen Arbeiten vor einigen Jahren durch Idealisten in Zusammenarbeit mit der Kirchenstiftung Auerbach folgte in den Jahren 2006/2007 eine umfangreiche Sanierung, unter anderem eine neue Dacheindeckung, Entwässerung und Trockenlegung der Fundamente sowie ein neuer Fassadenanstrich.

Vorangetrieben durch den im Jahr 2006 gegründeten Verein "Freunde von St. Magdalena Ranna" mit Wolfgang Meiler an der Spitze. 30 Tonnen Schutt und alte Ziegel galt es zu entsorgen. Eine umfangreiche Innensanierung steht im kommenden Jahr an. "Prozessionen gibt es nicht mehr, aber regelmäßig das Magdalenenfest, dessen Erlös wiederum zugunsten des Kirchleins Verwendung findet", erklärte Marianne Mimler-Hofmann.

Für die musikalische Umrahmung der Führung sorgten die Nitzlbucher Frauen mit Gabi Eisend, Margarete Gollwitzer, Gabi Kopp und Monika Schindler.
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