Pizzafahrer als Raubopfer

Sie bestellten den Pizzaboten auf eine nachtdunkle Straße. Als er kam, setzte das Duo zum Überfall an und wollte dem Mann die Geldbörse rauben. Doch dieser Plan scheiterte. Jetzt sitzen die Täter vor dem Amberger Landgericht.

Sie würdigen sich im Sitzungssaal keines Blickes. Eine 29-jährige verheiratete Frau aus dem Landkreis Schwandorf und ein Bekannter von ihr. Er ist 26 Jahre alt und stammt aus der gleichen Stadt. Die Staatsanwältin Dr. Isabel Rupprecht wirft ihnen gemeinschaftlich begangenen schweren Raub und gefährliche Körperverletzung vor, geschehen an einem Abend im April letzten Jahres in einer Ortschaft zwischen Schwandorf und Städtedreieck.

Die Angeklagten legten zu Prozessbeginn umfassende Geständnisse ab, sie räumten über ihre Anwälte das Verbrechen ein. Dies geschah nach einem nahezu zwei Stunden dauernden sogenannten Rechtsgespräch zwischen Verteidigern, der Anklagevertreterin und der Ersten Strafkammer.

Danach machte die Kammervorsitzende Roswitha Stöber eine überraschende Mitteilung: Wegen der eher geringwertigen Beute, so deutete die Richterin an, könnte womöglich ein minderschwerer Fall im Urteil zugrunde gelegt werden. Damit wurde die Rechtsauffassung verbunden, dass sich die Ahndung für beide "im Bereich von bewährungsfähigen Strafen bewegen kann."

Mit klarer Ansage

Die beim Überfall maskiert auftretende Frau ("Ich hatte vorher Amphetamin konsumiert") und ihr wie sie bei dem Raub dunkel gekleideter Bekannter waren zielgerichtet vorgegangen. Der 26-Jährige rief kurz vor 22 Uhr unter fingiertem Namen in einem Lokal an und bestellte fünf Pizzas. "Ich warte auf der Straße", sagte er und nannte eine Adresse.

Nicht lange darauf traf der motorisierte Bote ein. Er stieg aus, hatte die Pizzakartons in der rechten Hand und wurde wenige Sekunden darauf gewaltsam angegangen. Das im Dunkel der Nacht lauernde Duo setzte Pfefferspray ein, spritzte dem 20-jährigen Lieferfahrer die ätzende Flüssigkeit ins Gesicht. Der Mann taumelte, warf die Kartons in Richtung der Täter. An seine in der Gesäßtasche mitgeführte Geldbörse kamen die Räuber nicht. Im Portemonnaie befanden sich geschätzte 600 Euro.

So blieb die Beute im geringwertigen Bereich: Die 28-Jährige schnappte sich zwei der herumliegenen Pizzakartons, dann sprang sie zusammen mit ihrem Begleiter in einen schwarzen Wagen. Die Flucht gelang zwar zunächst, doch schon wenige Stunden später besaß die Polizei erste Erkenntnisse und nahm die Täter fest.

Angenommenes Angebot

Als die Richter den Pizzaboten vernahmen, fragte er in Richtung der Angeklagten: "Wieso habt ihr das getan? Habt ihr mich gekannt?" Die Antwort bestand aus Entschuldigungen und dem Bekenntnis: "Es hätte jeder andere sein können. Wir haben dich nicht gekannt."

Der sogenannte Täter-Opfer-Ausgleich kann in Urteilen maßgebliche Rollen spielen. Mit dem Blick darauf offerierten die Anwälte Jürgen Mühl (Amberg) und Michael Frank (Regensburg) ein Schmerzensgeld in Höhe von 1000 Euro. Der Mann akzeptierte, er nahm auch die Entschuldigungen der Täter an. Der Prozess wird fortgesetzt.
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