Politiker das Problem

Sind junge Leute politikverdrossen? Das wird ihnen zumindest gerne nachgesagt. Grund genug für das Max-Reger-Gymnasium, das bei einer Podiumsdiskussion mit Nachwuchspolitikern und Schülern herauszufinden.

Im Zuge des P-Seminars "Jugend debattiert" spürten die Gymnasiasten diesem Thema im Pfarrheim Heilige Dreifaltigkeit nach. Moderatoren waren die beiden Abiturienten Alice Grohmann und Andreas Pürner, die elf Leute am Podium begrüßten. Die zehn jungen Männer davon erklärten ihr Interesse an politischem Engagement mit dem Einfluss des Elternhauses.

Übers Thema rasch uneins

Ausschließlich ihre "Quotenfrau" Eva Lettenbauer (23) von den Jungen Grünen aus Augsburg berichtete von ihrer "Eigeninitiative", aktiv zu werden. Den Impuls gaben für sie seinerzeit die Gegendemos zu G 8. "Jugendliche engagieren sich sehr wohl. Im Bund Naturschutz, in Kreisjugendringen und vielem mehr", lautete ihre Erfahrung. Aufgrund ihres Alters und Status' waren sich die Nachwuchspolitiker im Laufe des Abends bald uneins, woran es wohl liegt, warum der Jugend oft Politikverdrossenheit unterstellt wird.

Während - wie zuvor ihre Kollegin - Laslo Dediz (18) von der Jungen Linken, Matthias Ernst (21) von den Jungen Grünen, Nikolas Peter und Felix Sailer von der ÖDP sich aus kritischer Sicht darum Sorgen machten, standen ihnen "alteingesessene" Kontrahenten gegenüber. Der Bundestagsabgeordnete Florian Post (SPD) aus München - mit seinen 34 Jahren bereits redegewandt wie ein "Oldie" - übernahm im Laufe der Debatte zunehmend das Wort und ließ Argumente der Jugend schier im Sande verlaufen.

Da halfen auch nicht die Gedanken des Junge-Union-Vertreters Henner Wasmuth, Gemeinderat in Illschwang, der für seine Vereinigung einräumte, schon mal als "politische Kirwagemeinschaft" betitelt worden zu sein, aber die Nähe durch das gemeinsame Feiern mit den Jugendlichen durchaus als Lockmittel sah. "Die Jugend ist nicht politik-, sondern politikerverdrossen", brachte Nikolas Peter die Debatte zurück zu ihrem Ausgangspunkt. Denn ein hauptsächlicher Streitpunkt in der Diskussion war die Einwirkung der Lobbyisten auf die Arbeit der Volksvertreter.

Lobbys hilfreich oder nicht?

Florian Post fand deren Erfahrung und Interessen hilfreich, was seine jungen Kollegen hingegen bezweifelten. Größeren Raum nahmen auch die Forderungen ein, man müsse mit dem Nachwuchs über tägliche Themen wie schnelles Internet, bezahlbare Wohnungen und günstige Verkehrsanbindungen reden, um sie politisch zu motivieren. "Das ist Kommunalpolitik. Und gerade bei Kommunalwahlen ist die Beteiligung der Jungwähler am niedrigsten", stellte dazu Laslo Dediz klar.
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