Polizisten radeln mit Flüchtlingen

Polizeioberkommissar Horst Strehl (links) und sein Kollege Harald Heselmann (rechts) übten am Donnerstag mit minderjährigen Flüchtlingen die wichtigsten Verkehrsregeln ein. Bild: Steinbacher

"Und bei diesem Stoppschild bleibt jeder stehen"", rief Polizeioberkommissar Horst Strehl über die Schulter und trat selbst in die Pedale, um über die Kreuzung auf der Eglseer Straße zu kommen. Zwei Jugendliche folgten den Anweisungen. Der dritte lachte einer Passantin zu - und radelte einfach hinterher. "Halt", schrie Polizeioberkommissar Harald Heselmann.

"Jeder muss stehenbleiben", erklärte der Verkehrserzieher der Polizei, der das Schlusslicht des vierköpfigen Grüppchens bildete. Also Kommando zurück. Und noch einmal. Am Donnerstagvormittag übten Strehl und Heselmann mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen aus Vilseck, Sulzbach-Rosenberg und Amberg Fahrradfahren. Die Burschen beherrschten zwar mehr oder minder den Vorgang an sich, allerdings gab es noch jede Menge Aufklärungsbedarf bezüglich der Verkehrsregeln. Edwin Dotzler, Diplom-Sozialpädagoge und Teamleiter beim Kolping-Bildungswerk, das die Vormundschaften über die jungen Männer, die im Landkreis wohnen, hat, organisierte die Aktion. "Wir sind eben auch verantwortlich dafür, dass die Jugendlichen ordentlich im Straßenverkehr fahren. Eltern überlassen ihre Kinder auch nicht sich selbst, ohne ihnen zu zeigen, wie es richtig geht", sagte Dotzler. Insgesamt 16 Flüchtlinge zwischen 14 und 18 Jahren fuhren am Donnerstag von der Max-Josef-Schule aus unter Polizeibegleitung durch das Eisbergviertel. Voraus ging dieser Aktion theoretischer Unterricht und Übungen im Verkehrsgarten der Schule. "Wir bekamen sogar einen Raum und Getränke zur Verfügung gestellt", freute sich Dotzler über die Unterstützung von Schulleiter Manfred Reindl und Hausmeister Markus Amberger.

Für Verkehrserzieher Strehl macht es keinen Unterschied, ob die Kinder im Verkehrsgarten zehn oder 16 Jahre alt sind. "Sie machen genauso einen Quatsch wie andere", erklärte der Polizeioberkommissar mit einem Lächeln. Sein Kollege Heselmann erklärte, dass es sehr wichtig sei, dass "die Flüchtlinge auch sehen, dass wir von der Polizei auch Menschen sind". Normalerweise hätten sie ausschließlich schlechte Erfahrungen mit Menschen in Uniformen gemacht.

Die Gruppe erhielt nach Beendigung ihrer Radfahrprüfung zwar keine Wimpel, dafür aber ein Zertifikat. "Und darauf sind sie mächtig stolz", wusste Edwin Dotzler, der bereits einen ähnlichen Kurs für andere minderjährige Flüchtlinge in den Osterferien begleitet hatte.
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