Preisübergabe beim Wettbewerb "Familienfreundlichstes Unternehmen"
Familie entscheidet immer mit

Die Männer hielten die Reden, die Frauen nahmen die Auszeichnungen entgegen. Hinten von links: OB Michael Cerny, Johann Schmalzl (IHK-Geschäftsstelle) und Joachim Ossmann (Leiter der Agentur für Arbeit Schwandorf). Vorne von links: Gleichstellungsbeauftragte Marion Boss und Frauenbeauftragte Prof. Christiane Hellbach (beide von der Hochschule), Werkvolk-Chefin Dagmar Kierner, Inhaberin Luitgard Merkl und Eva Krämer (beide vom Medifit) sowie Dorothea Seitz-Dobler, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeits

Arbeitszeitflexibilität, Betriebskindergarten, Lebensarbeitszeitkonto, Sonderurlaub für Kinderbetreuung oder Angehörigenpflege: 16 Unternehmen bewarben sich um dem Titel "Familienfreundlichstes Unternehmen". Männer gingen dabei leer aus. Die drei Preise nahmen jeweils Frauen entgegen.

Amberg. (tk) Normalerweise sind im Großen Rathaussaal die Männer in der Überzahl. Nicht aber, wenn es darum geht, die familienfreundlichsten Firmen auszuzeichnen. Schon in der Jury bildeten die Frauen eine Mehrheit: Dorothea Seitz-Dobler (Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt), Michaela Mußemann und Marianne Gutwein (beide vom Sozialdienst katholischer Frauen) hatten mit IHK-Geschäftsstellenleiter Johann Schmalzl und Tobias Berz (Geschäftsführer des Bündnisses für Familie) nicht weniger als 45 Kriterien zu beachten, nach denen die 16 Bewerber beurteilt wurden. Die Chefs und Chefinnen, die am Donnerstagnachmittag mit ihren Mitarbeitern zur Preisverleihung ins Rathaus gekommen waren, mussten sich wie bei der Oscar-Verleihung vorkommen. Die Namen der Gewinner waren in Kuverts versteckt, erst vor Ort wurde das Rätsel gelüftet.

In der Kategorie bis zu 50 Mitarbeitern gewann das Medifit aus Kümmersbruck. In der Wertung 50 bis 250 Beschäftigte siegte das Werkvolk und in der Königsklasse der größten Arbeitgeber setzte sich die Ostbayerische Technische Hochschule durch.

Pflege mehr im Fokus

Einem Mann oblag es vorher, die Veranstaltung zu eröffnen. Michael Cerny, der sich schon vor seiner Zeit als Oberbürgermeister aktiv in das Bündnis einbrachte, sagte: "Familienfreundlichkeit trägt entscheidend zur Attraktivität von Kommunen und zur Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen auf ihrer Suche nach Fachkräften bei." Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf rücke neben der Kinderbetreuung die Pflege von Angehörigen immer mehr in den Fokus. Der OB: "Ich bin mir sicher, dass bereits viele Amberger Unternehmen die Zeichen der Zeit erkannt haben und familienfreundliche Maßnahmen wie zum Beispiel flexible Arbeitszeiten oder Teilzeitangebote zum festen Bestandteil ihrer Personalpolitik zählen können." Der Wettbewerb diene dazu, das Engagement der Arbeitswelt zu würdigen: "Gute Beispiele sollen sichtbar gemacht werden und als Vorbild dienen."

Welche Bedeutung die Familienfreundlichkeit für Chefs mittlerweile hat, verdeutlichte Joachim Ossmann, Leiter der auch für Amberg zuständigen Agentur für Arbeit: "Neun von zehn Beschäftigten ist sie genauso wichtig oder sogar wichtiger als das Gehalt." Trotz aller erkennbarer Fortschritte gebe es auch in der Region "durchaus noch Luft nach oben". Wer weiterhin gutes Personal gewinnen und an seinen Betrieb binden möchte, tue gut daran, sich auf die Erwartungen der stark umworbenen jungen Generation einzustellen.

Stärker ins Bewusstsein

Mit Blick auf die Stadt und den Landkreis sagte IHK-Geschäftsstellenleiter Johann Schmalzl in seiner Funktion als Bündnis-Verantwortlicher für das Handlungsfeld "Familie und Arbeitswelt": "Für mich ist Familienfreundlichkeit einer der strategischen Erfolgsfaktoren für die Unternehmen, aber auch für unsere Region. Deshalb wollen und müssen wir die große Bedeutung der Familienfreundlichkeit noch stärker in das Bewusstsein der Verantwortlichen bringen." Der Wettbewerb und die Preisverleihung seien ein kleiner Beitrag dazu.
Weitere Beiträge zu den Themen: Lea (13790)März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.