Périgueux in Trauer vereint

Mittwochabend auf dem Platz vor dem alten Rathaus von Périgueux, wenige Stunden nach dem brutalen Anschlag in Paris auf die Zeichner und Redakteure des Satiremagazins Charlie Hebdo": Rund 1000 Bürger halten in der Amberger Partnerstadt Zettel mit "Je suis Charlie" ("Ich bin Charlie") in die Höhe, um so ihre Trauer um die zwölf Toten zum Ausdruck zu bringen und gleichzeitig ein Zeichen zu setzen, dass sie für die Freiheit der Presse eintreten. Bild: Jean-Christophe Sounalet

Eine schwarze Seite, links oben das rote Emblem der Zeitung, in der Mitte drei weiße Buchstaben: NON. Darunter eine kleine Erklärung. Die Sud Ouest, die in Périgueux erscheint, hat in ihrer gestrigen Ausgabe ein klares Zeichen gesetzt: "Nein" zu Terror. Auch in der Amberger Partnerstadt trauern die Menschen um die Toten von Paris.

In Paris sind es mehr als 50 000, in Bordeaux rund 5000, in Périgueux 1000: In ganz Frankreich versammeln sich die Menschen. Schweigend stehen sie auf öffentlichen Plätzen, halten schwarze Zettel und Schilder in die Höhe: "Je suis Charlie". Frankreich am Mittwochabend, ein Land unter Schock, in Trauer vereint. Wenige Stunden zuvor haben Attentäter zwölf Menschen in Paris regelrecht hingerichtet: Redakteure und Karikaturisten des Satire-Magazins Charlie Hebdo sowie zwei Polizisten.

Mehr als 1000 Menschen

Das Entsetzen über die brutale Tat ist auch in Périgueux groß. Am Mittwochabend, wenige Stunden nach dem Massaker, ruft der Club de la Presse du Périgord, eine Organisation von Journalisten und Medienschaffenden, die Menschen in der Partnerstadt auf, zum Platz vor dem alten Rathaus zu kommen und um die Toten von Paris zu trauern. Mehr als 1000 Menschen strömen auf den Platz, halten schwarze Zetttel mit weißer Aufschrift "Je suis Charlie" in die Höhe. Der Ausspruch "Ich bin Charlie" ist längst zu einem Synonym für die Trauer und den Respekt vor den Ermordeten geworden. In sozialen Netzwerken ändern Menschen weltweit ihre Profilbilder, teilen "Je suis Charlie". Eine davon ist Anne-Marie Siméon, die die Redaktion Périgueux der Zeitung Sud Ouest leitet. Auch am Morgen nach dem Anschlag in Paris ist ihr das Entsetzen über die brutale Tat, aber auch die Trauer über die Ermordung der Kollegen von Charlie Hebdo anzumerken.

Sie sei mit diesem Satire-Magazin aufgewachsen, erklärt die Journalistin. Die Namen der Toten sind vielen Franzosen ein Begriff. Denn einige von ihnen hätten nicht nur für Charlie Hebdo gezeichnet, sondern auch für andere große französische Tageszeitungen und fürs Fernsehen.

Die Trauer habe am Mittwochabend in Périgueux die Menschen vereint - "Menschen aller Altersgruppen und aller unterschiedlichen politischen Anschauungen", erzählt die Journalistin. Auch Alain Bernard, Presse-Urgestein in Périgueux, aber inzwischen in Rente, war am Mittwochabend vor dem alten Rathaus seiner Heimatstadt. Am Tag danach ist er immer noch entsetzt über das Blutbad in Paris. Beeindruckt ist er von der Menschenmenge, die auf dem Platz ihre Trauer über den Anschlag, ihren Respekt vor und ihre Solidarität mit den Ermordeten zum Ausdruck brachte. "Es waren enorm viele", sagt er über die Zahl der Périgourdins, die der Opfer gedachten.

Ein ganzes Land schweigt

Landesweit war für gestern Mittag eine Schweigeminute angesetzt worden. Ganz Frankreich verharrte in Stille, um der Toten zu gedenken. In Périgueux taten dies die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, mehr als 2000 Gymnasiasten vor dem Justizpalast, die Perigourdins auf den Straßen, die Kollegen der Redaktion der Sud Ouest. Anne-Marie Siméon weiß, dass zwei Bürger aus dem Périgord mit Opfern befreundet waren. Einer von ihnen ist José Corréa, Künstler aus Coulounieix-Chamiers, einer Gemeinde, die zum Arrondisement Périgueux gehört. Gegenüber der Sud Ouest sagte er wenige Stunden nach dem Attentat, dass ihn und Cabu, wie Jean Cabut seine Karikaturen stets signierte, eine langjährige Freundschaft und die Liebe zu Jazz verband.

Erinnerung an Cabu

"Er war unglaublich", erinnerte sich Corréa an den 76-Jährigen, "er hat die ganze Zeit gezeichnet." Stets habe er einen Block bei sich gehabt, immer und überall. Vor allem eines habe er an Cabu bewundert: "Was mich faszinierte, war die Freiheit seines Federstrichs, er zeichnete niemals mit dem Bleistift, sondern stets direkt mit der Feder."

Donnerstagmittag in Frankreich, ein ganzes Land verharrt in Stille, in einer Schweigeminute gedenken die Menschen der Opfer. In Périgueux sind 2000 Gymnasiasten bereits am Morgen nach dem Anschlag auf den Straßen. Sie ziehen durch die Stadt und vor den Palast der Justiz. Sie tun dies aus Respekt vor den Toten, aber auch um die "Meinungsfreiheit zu verteidigen", wie sie gegenüber Journalisten betonen. In Périgueux, aber auch in vielen anderen Städten rücken die Menschen zusammen, zeigen sich solidarisch mit den Opfern, gehen für die Presse- und Meinungsfreiheit auf die Straße. Ein Land unter Schock - auch gestern Abend haben sich wieder Menschen in Périgueux versammelt, zu einer Nachtwache mit Kerzen. (Angemerkt)
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