Provisorium der Hoffnung

Es ist geschafft, jetzt kann auch einmal erleichtert aufgeatmet werden. Die vierköpfige Gruppe, darunter ein junger Mann mit seiner Schwester, stammt aus Syrien und dürfte bis zum Abschluss des formell bereits eingeleiteten Asylverfahrens wohl in der Region bleiben. Die Turnhalle der Barbaraschule stellt ein Provisorium dar, bis die ehemalige Landwirtschaftsschule als längerfristige Lösung umgebaut ist. Bilder: Huber

Nirgendwo liegen derzeit politische Debatten, aufgeregte Berichterstattung und die alltägliche Praxis vor Ort weiter auseinander, als in Flüchtlingsfragen. Das ist beruhigend. Die Verantwortlichen hoffen, dass es so bleibt.

(zm) Jede Pause in der Barbaraschule verbreitet mehr Hektik, als die Notunterkunft für Asylsuchende, die dort seit Montagabend mit 39 Menschen belegt ist (wir berichteten). Die erste Nacht auf den Feldbetten in der Turnhalle ist vorbei, eine Atmosphäre des erleichterten Aufatmens, der Regeneration nach einem Kraftakt bestimmt das Bild. So muss das beileibe nicht bleiben. Für 100 Plätze ist dieses Provisorium ausgelegt, die in Amberg geschaffenen Übergangskapazitäten sind also noch nicht einmal zur Hälfte ausgeschöpft.

Das kann sich stündlich ändern. Das weiß Thomas Forster nur zu gut. Routinemäßig hat der Leiter des Sachgebiets Zivil- und Katastrophenschutz am Dienstagvormittag einmal kurz an der Barbaraschule vorbeigeschaut. Er ist zufrieden, es läuft bestens. "Bis in den späten Nachmittag hinein", so Rechtsreferent Dr. Bernhard Mitko, müsse die Stadt allerdings darauf gefasst sein, dass noch ein oder zwei Flüchtlingsbusse von der Regierung angekündigt und dann wenig später vor der Türe stehen würden. "Man kann im Moment nichts ausschließen", kommentiert der Rathausjurist die Lage.

Alle sortieren sich

Angesichts dieser Beschreibung herrscht erstaunliche Entspanntheit rund um die Schulturnhalle. Junge Männer sitzen in kleinen Gruppen zusammen, unterhalten sich leise, drei Kinder haben schon den Spielplatz um die Ecke für sich entdeckt, Mütter kümmern sich um ihre Kinder, darunter auch Säuglinge, andere ziehen sich auf ihr Feldbett zurück. Eher im Verborgenen passieren parallel jedoch wichtige Dinge. Die Erstaufnahme hat noch die Regierung der Oberpfalz erledigt.

Damit ist formell das Asylverfahren für die Menschen aus Syrien, dem Irak und Albanien eröffnet. Geführt und entschieden wird es zentral beim Bundesamt für Migration in Nürnberg. "Wir sind lediglich mit der tatsächlichen Organisation der Unterbringung betraut", beschreibt Mitko den Part der Stadt. Auch das Staatliche Gesundheitsamt, das zum Landratsamt gehört, ist momentan vor Ort. Das Asylverfahrensgesetz, so Amtsleiter Dr. Roland Brey, schreibt eine medizinische Untersuchung der neu angekommenen Flüchtlinge vor. Zwei auf dem Pausenhof aufgestellte Baucontainer dienen deshalb als Untersuchungszimmer.

Das geht schon

Brey ist froh, dieses Prozedere schon im Zusammenhang mit der Aufnahme unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge durchlaufen zu haben. "Wir können auf diese Erfahrungen aufbauen", erzählt er. Natürlich gibt es Sprachprobleme, sind kulturelle Unterschiede zu überwinden. In den Herkunftsländern der Flüchtlinge "ist es nicht unbedingt normal, dass eine Ärztin einen Mann untersucht", beschreibt Brey eine dieser Hürden. Im Grunde handle es sich jedoch um medizinische Routine.

"Das Befundmanagement" sei die nächste Aufgabe im Nachgang der Erstuntersuchung, sieht der Amtsarzt noch einiges an Arbeit auf sein Haus zukommen. Schließlich müssten die Blut- und sonstigen erhobenen Werte dann eventuell in die Richtung einer nötigen Behandlung gelenkt werden. Bei kleineren Wehwehchen geht es schnell mit der Abhilfe. Das BRK ist vor Ort, und die Helfer haben lieber etwas zu tun, als gegen Langeweile anzukämpfen.
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