Prozess gegen Familienvater: Baby-Leichnam wies Brüche an Kopf und Rippen auf
Rechtsmedizin wirft Fragen auf

Es könnte eng werden für den Angeklagten. Nach wie vor sagt der 34-Jährige vor dem Amberger Schwurgericht: "Ich habe meiner kleinen Tochter nichts getan." Doch ein Rechtsmediziner war ganz anderer Ansicht. Schwerste Verletzungen, die zum Tod des sechs Wochen alten Säuglings führten, müssen seiner Ansicht nach im häuslichen Umfeld entstanden sein.

Das Baby starb im Mai letzten Jahres. Als man den Leichnam obduzierte, fand man einen durch Einwirkung stumpfer Gewalt entstandenen Knochenbruch im Innern des Kopfes. Es gab auch aber Serienrippenbrüche, viele Einblutungen und andere Schäden, die mit ursächlich für den Tod waren. Wichtig dabei: Es musste zwei voneinander getrennte Vorgänge gegeben haben, die das Ableben des Kindes verursachten. Es stellte sich die Frage: Wann geschah das? Der Erlanger Rechtsmediziner Dr. Stefan Seidl legte sich fest: "Nicht bei der Geburt des Kindes." Das Mädchen war im Weidener Klinikum sechs Wochen vor seinem Tod zur Welt gekommen und dort noch einen Monat geblieben, ehe es zu seinen Eltern im östlichen Kreis Schwandorf kam.

Noch einmal bohrte die Schwurgerichtsvorsitzende Roswitha Stöber nach: "Kann man es genauer eingrenzen?" Der Mediziner legte sich fest: "Längstens zwei Tage und frühestens drei bis vier Stunden vor dem Tod."

Der 34-Jährige hatte im Prozessverlauf eingeräumt, seine Tochter zumindest ein Mal heftig geschüttelt zu haben. Das, meinte Professor Seidl, könne zu den Verletzungen am Brustkorb und an den Rippen geführt haben. Keinesfalls aber seien dadurch die Schäden am Kopf entstanden. "Eventuell die Folge harten Aufschlagens an einen Gegenstand", ließ er wissen.

Urteil am Donnerstag

Was geschah konkret? Womöglich wird man das nie erfahren. Der 34-Jährige war mehrere Stunden lang allein mit dem Säugling, der nach seinen Angaben "plötzlich nicht mehr atmete." Das Schütteln des Kindes gab er vor den Richtern zu, ebenso seine als Zeugin vernommene Ehefrau (33). Auch sie will ihre Tochter geschüttelt haben, "um zu sehen, ob noch Leben in ihr ist". Gewalteinwirkung gegen den Kopf, das sagen beide, habe nie stattgefunden. Was offen blieb: Konnten die Serienrippenbrüche auch durch eingeleitete Wiederbelebungsmaßnahmen entstanden sein? "Eher unwahrscheinlich bei Babys", antwortete Dr. Seidl. Das Urteil wird morgen erwartet.
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