Prozess um Container: Berufungen zurückgenommen
"Ich glaube Ihnen nicht"

Wie passt es zusammen, dass jemand Millionen zurückbezahlt haben will und von den monatlich 900 Euro seiner Frau leben muss? Das war nur ein Aspekt eines Prozesses vor dem Landgericht, der letztendlich mit der Rücknahme der Berufungen endete.

Die ganze Sache war, wenn man so wollte, eher von mäßiger Bedeutung. Sie wurde dann auch gar nicht erst von der Berufungsinstanz beim Landgericht aufgerollt. Hätte man sich dazu entschlossen, wären wohl mehrere Prozesstage anzusetzen gewesen. Eine geschlagene Stunde lang wurde aber trotzdem debattiert.

Es ging um Container, die 2012 in zeitlichen Abständen zu einer Straße beim Malteserplatz geliefert und gefüllt wieder abtransportiert wurden. Das kostete runde 4000 Euro. Wer aber hatte sie bestellt? "Ich nicht", sagte ein 49-jähriger Amberger. Das freilich war ihm beim Amtsgericht vor ein paar Monaten nicht geglaubt worden. Die dort urteilende Richterin befand, dass der Mann wegen Betrugs 150 Tagessätze zu jeweils zehn Euro zahlen müsse.

Warum nur karge zehn Euro tägliches Einkommen? Die Staatsanwaltschaft war äußerst skeptisch und ging in Berufung. Das tat auch der Angeklagte.

Dem Vorsitzenden der 3. Strafkammer, Gerd Dreßler, sagte er jetzt: "Ich habe diese Container nicht bestellt." Dreßler erfuhr auch, dass die Verarmung offenbar weiter ging. Und zwar in solch herber Form, "dass ich nun vom Einkommen meiner Frau leben muss." Sie verdiene im Monat gerade einmal 900 Euro. Einige Minuten später folgte dann ein Satz, der so recht nicht dazu passen mochte. Der 49-Jährige ließ wissen: "Ich habe drei Millionen zurückgezahlt."

"Wollen wir hier mehrere Tage verhandeln?", fragte der Richter und stellte in Aussicht, dass man für diesen Fall etliche Zeugen kommen lassen müsse. Staatsanwältin Susanne Pamler schien anfangs fest dazu entschlossen und schrieb dem Mann ins Stammbuch: "Ich glaube Ihnen nicht." Das wollte sie sowohl im Hinblick auf die Container als auch auf die angeblich prekäre Finanzlage des 49-Jährigen verstanden wissen.

Zum Schluss riet Dreßler zum Konsens. "Sie sollten beide Ihre Berufungen zurücknehmen", empfahl er. Das taten nach längerem Überlegen sowohl die Anklagevertreterin als auch der Beschuldigte zusammen mit seinem Verteidiger Rudolf Pleischl. Der 49-Jährige muss nun 1500 Euro zahlen und darf davon ausgehen, dass ein momentan erneut bei der Staatsanwaltschaft gegen ihn anhängiges Verfahren eingestellt wird.
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