Prozess wegen Geldwäsche: 41-Jährige vor dem Landgericht
Juristischer Ritt auf der Rasierklinge

Die Frage, ob es für mehrere illegale Geldtransaktionen Bewährung gibt, wird am Schreibtisch eines Richters in Vohenstrauß entschieden. Denn er muss nun die sogenannte Gesamtstrafe für eine Frau aus dem südlichen Landkreis Schwandorf bilden.

Sie setzte sich nachts an den Computer und suchte nach Männerbekanntschaften. Da meldete sich jemand, der als "Soldat der US-Armee" firmierte, seinen Namen mit "Tom Burford" angab und gerne Geld gehabt hätte zur Unterstützung seiner angeblich in den Emiraten lebenden Tochter. Doch Bares gab es nicht. Die Frau war minderbemittelt. Womöglich auch, was ihr Denkvermögen betraf.

Was dann passierte, war der klassische Fall zweier Geldwäschen. "Tom Burford" bat darum, der 41-Jährigen Geld überweisen zu dürfen und ersuchte gleichzeitig dringend, die beiden Summen über 8700 und 7500 Euro per Blitzanweisung an Empfänger weiterzuleiten, die der Frau unbekannt waren. Einen Teil der Gelder - das war später ausschlaggebendes Faktum in einem Urteil des Schwandorfer Amtsgerichts - behielt sie für sich. Der Rest wurde weitergeleitet. Beide Summen waren zuvor per Internetbetrug von Firmen erbeutet worden. Den wie ein Filmschauspieler auf seinem Foto aussehenden US-Soldaten gab es nicht. Urheber dürften, wie man annehmen musste, international agierende kriminelle Vereinigungen gewesen sein.

Wie ein Keulenschlag

Das Schwandorfer Urteil traf die Frau wie ein Keulenschlag. Sie bekam 14 Monate ohne Bewährung. Deswegen legte sie Berufung zum Landgericht Amberg ein. Dort offenbarte sich nun Erstaunliches. Denn noch bevor die Verhandlung richtig begann, legte die Strafkammervorsitzende Roswitha Stöber mit Blick auf die Angeklagte offen: "Sie sind ja kürzlich in ähnlicher Angelegenheit vom Amtsgericht Vohenstrauß abgeurteilt worden."

In Vohenstrauß stand ebenfalls ein Fall von Geldwäsche zur Debatte. Er hatte sich zugetragen, nachdem bereits im Raum Schwandorf umfangreiche Ermittlungen gegen die 41-Jährige liefen. Zusammen mit einer Frau aus dem Kreis Neustadt/WN hatte sie 40 000 Euro in kriminelle Kreise weitergeleitet. Auch darum hatte man sie übers Internet gebeten und erneut war ein Teil des Geldes von ihr einbehalten und ausgegeben worden.

Der Richter in Vohenstrauß verhängte ein Jahr Haft mit Bewährung. Durch diesen Schuldspruch sah sich nun die Strafkammer in Amberg vor eine juristische Hürde gestellt. Denn beide Ahndungen müssten jetzt, so Richterin Stöber, zu einer Gesamtstrafe zusammengeführt werden. Das, so fuhr sie fort, gehe aber nur, wenn die 41-Jährige ihre Berufung zurücknehme. "Ein Ritt auf der Rasierklinge", wie ihr Anwalt formulierte.

Gesamtstrafe zu bilden

Die Berufung wurde zurückgenommen, 14 Monate ohne Bewährung sind damit rechtskräftig. Nun muss aber der Richter in Vohenstrauß eine Gesamtstrafe bilden. Ob er dabei Bewährung gewährt oder die Frau nach der Gesamtbewertung beider Prozesse hinter Gitter schickt, bleibt ihm überlassen. "Tom Burford" ist übrigens längst abgetaucht. Doch irgendwo in Europa werden unterdessen mit diesem Pseudonym ganz sicher andere Frauen zur Geldwäsche überredet.
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