Prozess wegen Körperverletzung mit Todesfolge endet nach vier Verhandlungstagen - ...
Straflos, weil Beweise fehlen: Freispruch für den Vater

Selten hat ein Prozess die Beteiligten und Beobachter so emotional bewegt und aufgewühlt wie dieser. Es ging um den Tod eines Babys und um die Frage, ob der Vater des Kleinkindes seiner kleinen Tochter schwerste Verletzungen beibrachte. Das lasse sich nicht nachweisen, befand das Schwurgericht beim Landgericht Amberg und sprach den 34-Jährigen frei.

Fest stand nach vier Verhandlungstagen: In einem Haus im östlichen Kreis Schwandorf musste im Mai 2013 "Furchtbares geschehen sein", wie es Leitender Oberstaatsanwalt Harald Riedl formulierte. Doch das war eigentlich schon alles, was sich definitiv sagen ließ. Der wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagte Familienvater, in bestes soziales Umfeld eingebunden, hatte wiederholt gesagt: "Ich habe meiner Tochter nichts getan."

Woher rührten die schweren Verletzungen, die man bei einer Obduktion des Leichnams feststellte? Wunden und ein Bruch am Schädel, Gefäßabrisse, Serienbrüche der Rippen. Als seine Tochter an einem Samstagmorgen plötzlich nicht mehr atmete, habe er sie geschüttelt, gestand der 34-Jährige zu. Mehr aber sei nicht geschehen. Ein solches Schütteln räumte auch seine hinzukommende Ehefrau (33) ein. "Um zu sehen, ob da noch Leben in dem Körper ist."

Können solche Verletzungen durch Schütteln des winzigen Körpers hervorgerufen worden sein? Zum Teil ja, ließ der Leitende Oberstaatsanwalt in seinem Plädoyer anklingen. Nicht aber die Schäden am Kopf. Dazu habe es "massiver Gewaltanwendung" bedurft. Womöglich durch den Anprall an einen flachen Gegenstand. Den Täter machte Harald Riedl in der Person des 34-Jährigen aus. Nur er könne gewalttätig geworden sein, als sich das Kind in seiner Obhut befand. Riedl beantragte sechs Jahre Haft - und löste mit dieser Forderung Fassungslosigkeit bei der Familie des Beschuldigten aus. Denn damit, hörte er kurz darauf, würde eine komplette Existenz zerstört.

Zweifel vorhanden

Verteidiger Dr. Klaus Przybilla stemmte sich vehement dagegen. "Ich bin sprachlos über diesen Antrag", bekannte er zunächst und führte den Richtern vor Augen: "Sie müssen eine lückenlose Tatsachengrundlage haben. Und die haben sie nicht." Es gebe Zweifel, es sei keinerlei Motiv erkennbar, fügte der Anwalt hinzu. Deswegen führe am Freispruch kein Weg vorbei.

Das Schwurgericht entsprach dieser Auffassung. Es sprach den 34-Jährigen frei. In ihrer Begründung sagte die Vorsitzende Roswitha Stöber: "Wir wissen nicht, was genau in diesem Haus geschehen ist." Als Verursacher komme nicht nur der Vater in Betracht, es könne auch ein Unfall geschehen sein. Unmittelbar danach lag sich die Familie des 34-Jährigen in den Armen. Als dies geschah, kündigte allerdings der Leitende Oberstaatsanwalt Harald Riedl das Rechtsmittel der Revision zum Bundesgerichtshof an. (Angemerkt)
Weitere Beiträge zu den Themen: Obduktion (645)Dezember 2014 (1863)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.