Prozessauftakt gegen 56-Jährigen aus Pfreimd
Anklage: Missbrauch

Über viele Monate hinweg hatte die Staatsanwaltschaft Amberg Ermittlungen angestellt, ehe sie im Juni Anklage erhob. Acht Wochen später beginnt nun der Prozess gegen einen 56-Jährigen aus Pfreimd (Kreis Schwandorf), der in seinem Haus Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben soll.

Ab heute muss sich die Erste Strafkammer des Landgerichts Amberg mit den Vorkommnissen in dem Pfreimder Anwesen befassen. Dort existierte offenbar über Jahre und Jahrzehnte hinweg eine Art Jugendtreff, der von dem alleinstehenden Hausbesitzer betrieben wurde. Der heute 56-Jährige sitzt nun auf der Anklagebank und sieht sich mit massiven Vorwürfen konfrontiert.

Während ihrer Nachforschungen hatte die Staatsanwaltschaft zahlreiche Geschädigte vernommen. Die Taten reichten, wie sich ergab, zum Teil weit in die Vergangenheit zurück. Etliche von ihnen mussten deshalb als verjährt eingestuft werden. Zur Debatte stehen jetzt zwölf sexuelle Übergriffe, die sich wohl während der "Öffnungszeiten" des bei den Behörden nicht gemeldeten Treffs zutrugen. Festzustehen schien schon vor dem Prozess, dass diese Zahl nur die Spitze eines Eisbergs darstellt.

Vor der Verhandlung stellte sich die Frage, was der 56-Jährige tun wird. Bei einem Geständnis könnte die Strafkammer womöglich weitgehend auf die Vernehmung von Opfern verzichten. Würde der Mann schweigen, bliebe den Geschädigten eine Aussage nicht erspart. Der Beschuldigte, der sich seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft befindet, wird von den Strafverteidigern Tim Fischer (Regensburg) und Dieter Spieß (Amberg) anwaltlich vertreten. Er befindet sich seit seiner Festnahme in U-Haft.

Große Bedeutung dürfte einem Gutachten des Nürnberger Psychiaters Thomas Lippert zukommen. Dieser war von der Staatsanwaltschaft damit beauftragt worden, den 56-Jährigen zu untersuchen. Vorläufig sind für den Prozess drei Verhandlungstage angesetzt.
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