Radio statt Public Viewing

Das heute allgegenwärtige Handy war noch nicht in Sicht. Fernsehen gab's schon - aber nur in Schwarz-Weiß. Und nur ein Programm, das Erste. Vermutlich unvorstellbar für die Jugend von heute. Aber erlebbar: Das Stadtmuseum plant für 2015 eine Sonderausstellung über die 50er Jahre. Und sucht dafür noch Leihgaben.

Fernsehen, das fällt Museumsleiterin Judith von Rauchbauer zuerst ein, als sie von den 50ern spricht: "Der ganz große Mediendurchbruch war 1953 die Krönung von Königin Elisabeth II. in England." Wobei dies natürlich längst nicht jeder auf einem eigenen TV-Gerät mitverfolgen konnte. Noch so ein Hammer: 1954 - Deutschland wird zum ersten Mal Fußball-Weltmeister. Public Viewing sah damals freilich anders aus als heute: "Da standen Menschentrauben vor den Schaufenstern der Elektrogeschäfte", wo der Triumph über die Bildschirme flimmerte. Dass Rahn aus dem Hintergrund schießen müsste, jenen unsterblichen Satz von Reporter Herbert Zimmermann, hörten die meisten Deutschen damals aber im Radio.

Amberg in den 50ern

Dass im nächsten Jahr die 50er ins Stadtmuseum einziehen, ist kein Zufall: Judith von Rauchbauer hat einen Teil einer Wanderausstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte zu diesem Thema zugesagt bekommen. Ursprünglich waren diese Exponate 2008 in Würzburg zu sehen, in einer Schau zum Thema "Zerstörung und Wiederaufbau". Von Rauchbauer will diese Leihgaben aber noch ergänzen - möglichst durch spezielle Amberger Stücke. Sie hofft auf Leihgaben, die den Zeitgeist, das Lebensgefühl dieser Epoche dokumentieren. "Amberg in den 50er Jahren" soll Einblicke in die Kindheit geben, in die typischen Lebensumstände, die Besonderheiten, die Neubauten.

Der Museumsleiterin fällt dazu beispielsweise die Milchbar im Englischen Garten ein - "weil Milch ja was ganz Besonderes war, Milchgetränke etwas Edles und zu der Zeit ganz ,in'". Die Milchbar war damals vor allem bei jungen Leuten beliebt, die noch keinen Alkohol trinken durften. "Dazu gab's natürlich die Musikbox. Da hat man ein Zehnerl eingeschmissen" und schon erklangen die Hits von Bill Haley oder Elvis.

Natürlich waren die Nachkriegsjahre in Amberg auch die Zeit der Flüchtlinge und Vertriebenen. Die Stadt habe "immerhin 15 000 Vertriebene aufgenommen, eine Menge für die damaligen Notzeiten". Natürlich habe sich damals nicht jeder modisch einrichten können - "da war gar kein Geld dafür da. Aber man hat halt versucht, wenigstens ein modernes Möbelstück anzuschaffen". Den Trend zum Modernen gab es trotzdem, "weil man die Kriegszeiten vergessen wollte".

Das galt auch für die vielen Neubauten - heute oft als Bausünden gerügt, wie der Amberger Bahnhof. Doch auch herausragende Bauten wie das Ring-Theater entstanden damals, als eines der fortschrittlichsten der Oberpfalz. So, wie "der Storg" eines der modernsten Warenhäuser war, schon mit Rolltreppe. Wer es sich leisten konnte, fuhr Isetta oder Kabinenroller und machte Urlaub. Ende der 50er begann die Zeit der Italienreisen. Der Durchschnittsbürger freilich musste sich zunächst noch mit einem Ausflug in den Bayerischen Wald begnügen.

Hauptsache viel und fett

Essen war laut von Rauchbauer ein ganz großes Thema: Toast Hawaii, russische Eier und gefüllte Tomaten, mit viel Mayonnaise - Hauptsache, viel und fettig. "Das war damals wichtig." Den entbehrungsreichen Kriegsjahren folgte eine "Fresswelle". Und das, was heute der Einkauf im Internet ist, war damals der Quelle-Katalog: "Da gab's alles, von Kleidung bis zum Hausrat, sogar Essen", sagt die Museumsleiterin und blättert in einem alten Exemplar. Tatsächlich preist es Geflügel mit Reis an, aber auch Waschmaschine und Bügelbrett. Modisch waren Petticoats und Pferdeschwanz bei der Jugend gefragt, ansonsten kleidete man sich eher konservativ, die Dame immer mit Hut. Ganz neu waren die Nylons, die feinen Strümpfe, zunächst noch mit Naht und Strumpfhalter.
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