Rauschgift unter Briefmarken versteckt

Was Sie erzählen, ist abenteuerlich.

Wenn es um das Einschmuggeln von Drogen in die Justizvollzugsanstalt geht, sind die Lieferanten der heißen Ware selbst um ausgefallene Ideen nicht verlegen. Doch das gab es bisher noch nicht: Opiathaltige Pflaster sollten unter Briefmarken verborgen ihren Weg zu den eingesperrten Empfängern finden.

Ein Zustand, der wohl nicht auszurotten ist: Hinter den Gefängnismauern an der Werner-von-Siemens-Straße zirkulieren Drogen. Mal fliegen sie über hohe Einfriedungen, nicht selten sollen sie von Besuchern eingeschmuggelt werden. Selbst unter Lastfahrzeugen, für die sich das JVA-Tor öffnete, waren dem Vernehmen nach schon Lieferungen gebunkert.

Beamte schöpfen Verdacht

Was sich nun allerdings vor Amtsrichterin Jacqueline Sachse verdeutlichte, war eine völlig neue Art der illegalen Drogenzufuhr. Fast schon perfekt ausgedacht und aufgeflogen nur deshalb, weil bei der anstaltsinternen Postkontrolle auf zwei Kuverts leichte Anhebungen unter den Briefmarken entdeckt wurden. Als die Beamten näher hinsahen, stellte sich heraus: Exakt unter den Postwertzeichen hafteten auf der Innenseite des Umschlags Teile sogenannter Fentanyl-Schmerzpflaster. Sie hatten die Größe von Cent-Stücken.

Auf der Anklagebank saß eine 40-Jährige aus Amberg, die sofort zugab, die Briefe an zwei Häftlinge geschickt zu haben. Die von ihr damit in enge Verbindung gebrachte Entstehungsgeschichte verwies Richterin Sachse allerdings in den Bereich der Fabel. "Was Sie erzählen, ist abenteuerlich", gab die Vorsitzende ihre Eindrücke wieder.

Die Frau, deren als Drogenkonsument bekannter Freund seinerzeit eine Haftstrafe in der Anstalt verbüßte, will von einem Unbekannten telefonisch zum Amberger Bahnhof bestellt worden sein. Dort seien ihr dann zwei bereits frankierte und adressierte Briefkuverts übergeben worden, wobei dies angeblich mit der Order geschah: "Den Absender kannst du dir selbst ausdenken." Die Briefe waren nicht an den Freund der 40-Jährigen gerichtet. Sie trugen die Namen anderer Gefangener.

Hausarzt als Zeuge

Es gab einen wichtigen Zeugen: Zur Verhandlung hatte man den Hausarzt der Frau geladen. Von ihm hörte die Richterin, dass der Angeklagten opiathaltige Schmerzpflaster verschrieben worden waren. Das genügte der Vorsitzenden. "Sie allein haben das alles veranlasst", sagte Jacqueline Sachse und verurteilte die 40-Jährige zu vier Monaten Haft ohne Bewährung. "Denn irgendwann muss Schluss sein", argumentierte sie angesichts einer Reihe von Vorstrafen. Zuvor hatte Verteidiger Jürgen Mühl vergeblich darum gebeten, seiner Mandantin eine letzte Chance zu geben, in Freiheit zu bleiben.
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