Rauschmittel per Überwurf in die Justizvollzugsanstalt befördert - 27-Jähriger muss vier Monate ...
Mauersegler mit Crystal Speed

Eigentlich war es ein geglückter Überwurf. Pech allerdings für den Absender und den Empfänger der Luftpost: Kaum hatte das Säckchen mit Crystal-Speed und Subutex-Tabletten die Mauer der Amberger Justizvollzugsanstalt überquert, wurde es auch schon von Beamten der anstaltseigenen Sicherungsgruppe gefunden.

Ein Fall von vielen. Dass es im Gefängnis an der Werner-von-Siemens-Straße Rauschgift gibt, muss als sattsam bekannt gelten. Der behördliche Kampf dagegen ist, so hat die Vergangenheit gezeigt, offenbar aussichtslos. Oft werden die brisanten Frachten eingeschmuggelt, nicht selten über die hohen Mauern geworfen. Auch heuer am 1. Februar. An diesem Tag, so erfuhr Amtsrichter Jan Prokoph von einem Sicherheitsbeamten, seien drei sogenannte Überwürfe aktenkundig geworden. Prokoph bohrte näher nach: "Wie viele sind das denn pro Jahr?" Eine klare Antwort bekam er nicht. Der Vorsitzende musste sich mit der wenig aussagekräftigen Feststellung begnügen: "Im Sommer mehr, im Winter weniger."

Eines der über den viele Meter hohen Wall gesegelten Päckchen enthielt 1,3 Gramm Crystal Speed und mehrere Subutex-Tabletten. Womöglich war auch noch ein Handy samt Batterie in der vorab per Anweisung georderten Sendung. Doch das bestritt der 27-jährige Angeklagte. "Weder Handy noch Batterie", ließ er anklingen.

Unbekannten getroffen

Crystal und Subutex? "Ja, das kam von mir", räumte der in Amberg wohnende Mann ein. Er war erst am 31. Januar aus der Haftanstalt entlassen worden, hatte sich dort der Order eines rumänischen Häftlings gefügt und wenige Stunden später Kontakt mit einem Unbekannten aufgenommen, der ihm das Rauschgift samt Ersatzdroge übergab. Daran hafteten Fingerabdrücke des 27-Jährigen. Keine Chance also zum Leugnen.

Nur kurz diskutiert wurde ein zweiter Anklagepunkt. Dabei soll der junge Mann in Sulzbach-Rosenberg die Mutter seiner Freundin bedroht und dabei ein Messer gezeigt haben. "Alles Quatsch", ließ er wissen. Das Gegenteil ließ sich nicht beweisen. Denn schon im Vorfeld hatte der Richter den Eindruck gewonnen, "dass die Frau schlichtweg nicht bereit ist, hier auszusagen." Worauf die Sache zu den Einstellungsakten kam.

"Kommt nicht in Betracht"

Blieb der Überwurf. Sechs Monate beantragte der Staatsanwalt, vier Monate verhängte der Richter. Bewährung? "Kommt nicht in Betracht", äußerte Jan Prokoph nach Durchsicht der Vorahndungsakten. Sie nahmen sich aus wie ein Gang durch das Strafgesetzbuch. Der Mann durfte vorerst gehen. Aber, so der Vorsitzende: "Demnächst kommt der Befehl zum Einrücken."
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