Rechtzeitig aufhorchen

Eine Redensart beschreibt die Intention einer neuen Einrichtung, die der Jugendhilfe-Ausschuss schaffen möchte, recht gut: Wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist, dann ist es zu spät.

(zm) Ein Familienzentrum steht schon länger auf der Wunschliste des Stadtrates. So sieht es auch der Bildungsleitplan 2012 vor. Ein Familienzentrum wird es aber nicht geben. Einen Familienstützpunkt (FSP) womöglich schon. Wenn das Vorhaben diese Bezeichnung trägt, dann gibt es Zuschüsse vom Freistaat. Die Sozialverwaltung im Rathaus spricht von "nur begrifflichlichen" Unterschieden.

Soll heißen: Familienzentrum (übliche Bezeichnung in rot-grün regierten Nordrhein-Westfalen) und Familienstützpunkt (Bayern) laufen letztendlich auf das Gleiche hinaus. Deshalb hält der Jugendhilfeausschuss unabhängig von der Bezeichnung daran fest. Das beschloss das Gremium in seiner Sitzung am Mittwoch. Vorgelegt hatte die Verwaltung fünf Entscheidungsoptionen. Eine - nämlich keinen Familienstützpunkt aufzubauen - schied praktisch von vornherein aus.

Reicht schon einer?

Bürgermeister Martin Preuß, er leitete die Sitzung, erinnerte daran, dass bei der Diskussion des Bildungsleitplans der Wunsch geäußert worden war, einen möglichst flächendeckenden Effekt zu erzielen. Das setze mindestens zwei entsprechende Einrichtungen voraus. Auch diese Variante enthielt die Verwaltungsvorlage. Die Förderrichtlinien des Freistaats sehen als Berechnungsgrundlage die Geburtenzahlen vor. Vor diesem Hintergrund unterscheiden sie eine maximal zweijährige Aufbau- sowie sich anschließende Betriebsphase.

Zum Start gibt es bis zu 40 Euro pro Kind, danach maximal 30 Euro. Bei rund gerechnet 300 Geburten pro Jahr summieren sich diese potenziellen Zuschüsse auf Summen von 12 000 und 9000 Euro pro Jahr. Um einen Familienstützpunkt aufbauen und betreiben zu können, muss am zuständigen Jugendamt eine "Koordinierungsstelle für Familienbildung" geschaffen werden, die mit einer viertel Stelle zu besetzen ist.

Freie Träger nötig

Der eigentliche Stützpunkt ist räumlich "zwingend an eine bestehende Einrichtung" (Kindertagesstätte, Jugendzentrum) anzugliedern und von Fachpersonal zu betreuen. Die Kofinanzierung durch die Kommune muss mindestens dem gewährten Förderbetrag entsprechen, den Betrieb der Stelle übernimmt ein freier Träger nach einer entsprechenden Ausschreibung.

In der Aufbauphase belaufen sich laut Verwaltung die Kosten für die Stadt auf 12 000 Euro pro Jahr. Danach würden sie sich je nach Ausgestaltung zwischen 14 000 und 40 000 Euro bewegen. Ohne sich noch definitiv auf eine bestimmte Variante festzulegen, ist der Jugendhilfe-Ausschuss bereit, eine entsprechende Ausschreibung mitzutragen. Diese Entscheidung fiel einstimmig.
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