Regensburger Schöffengericht ahndet Tat, die in Amberg geschah - Pensionsgäste waren in akuter ...
Im Alkohol-Delirium Vorhang in Brand gesteckt

Am Dienstag ahndete das Schöffengericht Regensburg unter Vorsitz von Richter Dr. Wolfhard Meindl eine im Vollrausch begangene schwere Brandstiftung mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Außerdem ordnete es die Unterbringung der 36-jährigen Angeklagten im Maßregelvollzug an. Die Staatsanwaltschaft hatte eine solche von zwei Jahren und drei Monaten gefordert. Ihr Verteidiger Philipp Janson plädierte auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten und ihre Unterbringung, beides ausgesetzt zur Bewährung.

Im Februar dieses Jahres gegen 21.30 Uhr hielt eine Bewohnerin einer Pension in der Amberger Barbarastraße Nachschau bei ihrer Zimmernachbarin. Als sie das Zimmer betrat, stand der Vorhang nahe dem Bett bereits lichterloh in Flammen, während die Angeklagte nur mit einem Slip bekleidet apathisch auf dem Bett saß. Zwei von ihr alarmierte weitere Bewohner konnten beherzt den Brand noch löschen, bevor die Feuerwehr eintraf. Es entstand ein Schaden von annähernd 5000 Euro. Die Angeklagte wurde in Untersuchungshaft genommen und nach fünf Monaten in das Bezirksklinikum Regensburg überstellt.

Vor dem Schöffengericht ließ die Angeklagte über ihren Verteidiger erklären, dass sie sich an gar nichts mehr erinnern, aber sich die Tat nur schwer vorstellen könne. Sie habe bereits mehrere Tage vorher angefangen, mindestens eine Flasche Wodka täglich zu konsumieren. Eine bei ihr genommene Blutprobe ergab einen Wert von 2,78 Promille, hochgerechnet zur Tatzeit sogar 3,26 Promille. "Da sind andere Menschen schon tot", konstatierte der Gerichtsvorsitzende im Laufe der Verhandlung.

Ihre Zimmernachbarin berichtete im Zeugenstand, dass die Angeklagte an diesem Tag gegen 9 Uhr morgens von der Polizei gebracht wurde. Da habe sie bereits gelallt, aber dann drei Stunden lang geschlafen. Im Laufe des Tages habe sie dann ohne notwendigen Anlass den Notarzt für einen Mitbewohner gerufen und auch mit der Polizei telefoniert. Ihr gegenüber habe sie geäußert, "ich will heute noch was anstellen".

Vorher schon erwischt

Etwa eine Stunde vor der Brandlegung habe sie nach der Angeklagten gesehen. Da roch es in deren Zimmer nach Rauch. Ihre Frage, ob sie gezündelt hätte, bejahte sie, versprach aber, es nicht mehr zu tun. Als eine Stunde später der Vorhang in Flammen stand, habe sie die Nachbarn alarmiert und die im Haus wohnende, hochbetagte Besitzerin und deren beiden Kinder verständigt. Diese hätten dann auch die Polizei und die Feuerwehr gerufen. Vor der Polizei hatte die Zeugin angegeben: "Das hat sie aus Langeweile gemacht und weil sie keinen Mann kriegt. Ich schätze sie als mannstoll ein."

Ein anderer Bewohner bezeichnete sie als "durchgeknallt", weil sie nachts des Öfteren an seiner Türe klopfte und laut um Hilfe und nach der Polizei geschrien habe. Wenn er öffnete, habe sie nichts mehr gesagt.

Seit 16 alkoholabhängig

Ein beim Landeskriminalamt eingeholtes Brandgutachten schloss eine technische Brandursache aus. Ein Versuch habe gezeigt, dass der Vorhang innerhalb von zwei Minuten vollständig abbrennt. Das Feuer hätte ohne weiteres auf das Bett und die Möbel übergreifen können. Die Frage nach einer Ausdehnung auf das Gebäude konnte nicht abschließend beantwortet werden.

Eine vom Gericht hinzu gezogene Sachverständige bescheinigte der Angeklagten eine Alkoholsucht seit dem 16. Lebensjahr. Auch zwei abgebrochene Therapien hätten keine Wende gebracht. Sie bestätigte der Angeklagten volle Schuldunfähigkeit infolge des Rausches und empfahl ihre Unterbringung in einer Entzugsklinik.
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