Regina und Joan Sabo sind seit 60 Jahren verheiratet - Erst in der Ehe kennengerlernt
Wirbelwind der Freundlichkeit

Zur Diamantenen Hochzeit bekamen Regina und Joan Sabo auch Besuch von Bürgermeister Martin Preuß (rechts). Bild: Steinbacher
Wer die Wohnung von Regina und Joan Sabo in der Friedlandstraße betritt, muss auf einen wahren Wirbelsturm der Freundlichkeit gefasst sein. Es gibt Kuchen, eine Torte, Wein aus Rumänien und vor allem sehr viele Geschichten aus einem bewegten Eheleben. Seit 60 Jahren sind die Sabos miteinander verheiratet, am Donnerstag feierten sie ihren Ehrentag und erhielten Besuch von Bürgermeister Martin Preuß.

Nach Donezk verschleppt

Sie ist Jahrgang 1927, er ist 1931 geboren. Regina stammt aus Großprobstdorf im deutsch geprägten Siebenbürgen in Rumänien. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie von den Russen nach Donezk verschleppt, musste dort als "Deutsche" Zwangsarbeit leisten, schuftete beim Eisenbahnbau und im Bergwerk. "Ich bin mit den selben Kleidern in die Heimat zurückgekehrt, mit denen ich verschleppt worden war." Und mit zwei gebrochenen Beinen, so ergänzt ihre jüngere Schwester.

Joan Sabo hingegen ist an der Grenze Rumäniens zur Ukraine in Maramuresch aufgewachsen. Er gehörte dort der ungarischen Minderheit an. "Ich spreche Ungarisch, Rumänisch, Ukrainisch und Deutsch", sagt er stolz. Schließlich sei er in der alten Heimat ein Kaufmann gewesen.

Kennengelernt hat sich das spätere Ehepaar auf einer Tanzveranstaltung. Joan Sabo leistete da gerade seinen dreijährigen Militärdienst ab, die erste Begegnung war sehr kurz. "Er war schon ein schöner Mann", sagt Regina Sabo und haut ihrem Joan auf den Bauch. Geheiratet wurde am 5. März 1955 - obwohl sich die beiden kaum kannten. "Aber ich wollte heiraten und er hat eine Frau gesucht", schildert sie die Situation. "Kennengelernt haben wir uns dann in der Ehe."

Am Anfang, so erzählt es das Jubelpaar, war vor allem die Armut ihr ständiger Begleiter. Joan Sabo arbeitete in seinem Beruf als Kaufmann, Regina, die schon bald eine Tochter bekam, unterstützte die Familie durch Näharbeiten.

Spontan geflohen

Später dann unterrichtete sie die ukrainischen Kinder aus der Gegend in einer Schule in Handarbeit, Landwirtschaft und Kochen. "Obwohl bei uns daheim immer Joan gekocht hat", so lacht sie. 1987 haute Regina Sabo spontan in den Westen ab. Sie hielt es in der Enge des Ceausescu-Rumänien nicht mehr aus. Ihr Mann folgte drei Jahre später, als der sozialistische Spuk in der Heimat vorbei war. Stolz sind die beiden, dass es ihre Tochter, die beiden Enkel und die vier Urenkel alle zu etwas gebracht haben. Siebenbürger Sachsen, so sagt Regina Sabo, seien immer schon sehr fleißige Menschen gewesen. Aber auch sehr lustige, wie sie noch in hohem Alter demonstriert.

Joan Sabo lächelt milde und freut sich, dass er 60 Jahre seines Lebens mit dieser quirligen Frau verbringen durfte.
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.