Region ist noch ein weißer Fleck

"Sexuelles Verhalten zwischen Kindern und Jugendlichen" war das Thema der Fachtagung des Arbeitskreises gegen sexualisierte Gewalt. Vorne im Bild Bernd Bönsch und Marion Annecke, die Referenten des Tages, dahinter die "Macher" der Veranstaltung. Bild: usc

Der "Arbeitskreis gegen sexualisierte Gewalt" im Regionalen Steuerungsverbund für Amberg und den Landkreis sieht dringenden Bedarf für die Einrichtung einer Beratungs- und Fachstelle auch in der Region Amberg.

(usc) Diese Notwendigkeit betonte dessen Sprecher, Albrecht Winter-Winklmann, bei einer Fachtagung des Arbeitskreises im Landratsamt. Er orientiert sich dabei an einer bereits bestehenden Einrichtung in der Nachbarstadt Weiden, an der Beratungsstelle von "Dornrose". Die Stadt Weiden sowie die Landkreise Neustadt/WN und Tirschenreuth finanzieren gemeinsam die Stelle aus Jugendhilfemitteln.

In der Stadt Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach werden Beratungsstellen, Einrichtungen der Jugendhilfe, Ämter, Behörden und die Polizei auf vielfältige Weise mit Straftaten und Auswirkungen sexualisierter Gewalt konfrontiert. Allerdings gibt es zu diesem dringenden Problem bis heute weder eine übergreifende Vernetzung verschiedener Einrichtungen noch eine "Stabsstelle", die sich federführend der vielschichtigen Probleme Betroffener annimmt und diese begleitet.

Fachstelle fehlt noch

Zwar bietet in Amberg der Frauennotruf des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) eine Beratungseinrichtung, die sich auf alle Formen von Gewalt gegen Frauen spezialisiert hat. Eine "Fachberatungsstelle sexualisierte Gewalt in der Kindheit" aber, die von Missbrauch betroffene Kinder und ihre Familien beraten und begleiten könnte, fehlt in der Region. Auch ein Angebot für Jungen und Männer existiert im weiteren Umfeld nicht.

Insgesamt gilt für Stadt und Landkreis, was Forscher im Auftrag des Bundesfamilienministeriums festgestellt haben: "Im Bereich der Versorgungslandschaft spezialisierter Beratungsangebote gibt es vor allem im ländlichen Raum erkennbare Versorgungslücken, die zu schließen sind."

Der örtliche Arbeitskreis kann sein Vorhaben, eine Betreuungs- und Fachstelle sexualisierte Gewalt in der Kindheit nach eigenen Angaben allerdings nur umsetzen, wenn die Stadt und der Landkreis die Finanzmittel bereitstellen. Die Hemmschwelle, sich an eine Behörde zu wenden, sei deutlich höher, als eine freie Beratungsstelle aufzusuchen. Nicht auch zuletzt aufgrund des Subsidiaritätsprinzips soll ein freier Träger die Leistung erbringen. Wünschenswert wären zwei "insoweit erfahrene Fachkräfte", die sich eine Stelle teilen. Die zwei halben Stellen sollen mit je einem Mann und einer Frau besetzt werden, um einer geschlechtsspezifischen Betreuung gerecht zu werden, schreibt der Arbeitskreis.

Vorbild "Dornrose"

Als Vorbild führt der Amberg-Sulzbacher Arbeitskreis die Beratungsstelle von "Dornrose" in Weiden an. Dort baten bereits 2011 auch Menschen aus Amberg und Amberg-Sulzbach um Hilfe. Allerdings hat Dornrose dazu keine Zahlen erfasst, da diese bei keinem Kostenträger abgerechnet werden können und so unter "freiwilliger Arbeit" verbucht werden.
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