Reiche Auswahl im Drogenlager

Marihuana, Amphetamin, LSD-Trips, Ecstasy-Tabletten: Die Kunden konnten wählen. Der Rauschgiftverkäufer saß nun vor dem Landgericht. Dabei offenbarte sich, dass der 24-Jährige selbst abhängig ist und durch den Handel seine Sucht finanzierte.

Ein warmer Sommerabend. Erst zusammen mit der Freundin am Badesee, dann eine Fahrt von Schwarzenfeld nach Amberg. Auf der Regensburger Straße stoppten Zivilfahnder der Polizei den Wagen, nahmen den Fahrer unter die Lupe und bekamen nach einem Test die Gewissheit: Er hatte Drogen konsumiert.

Was an diesem 23. Juli letzten Jahres folgte, war: Der 24-Jährige, aus Amberg stammend und zu dieser Zeit in Schwarzenfeld wohnhaft, lenkte die Blicke der Fahnder von sich aus auf 300 Gramm Marihuana und 14 Ecstasy-Tabletten, die im Auto lagen. Das führte zu seiner Festnahme und hatte als weitere Konsequenz zur Folge, dass seine Schwarzenfelder Wohnung kurz darauf durchsucht wurde.

U-Haft nach Durchsuchung

Dort beschlagnahmten Polizisten auf Weisung der Staatsanwaltschaft eine Art Drogenlager: 740 Gramm Marihuana, 300 Ecstasy-Tabletten, 300 Gramm Amphetamin, elf sogenannte LSD-Trips. Das reichte für einen Haftbefehl. Der 24-Jährige wanderte hinter Gitter und wurde jetzt, sieben Monate später, vor die Erste Strafkammer des Landgerichts geführt.

Nach einem Rechtsgespräch, das die Richter zusammen mit Staatsanwältin Manuela Zeller und Verteidiger Alexander Seifert (Nürnberg) führten, wurde für ein Geständnis des Angeklagten eine Haftstrafe zwischen drei und vier Jahren in Aussicht gestellt.

Der 24-Jährige gab daraufhin den Besitz der Drogen zu, er räumte auch seine Tätigkeit als Händler ein und machte über seinen Anwalt geltend, größere Mengen der gehorteten Rauschgiftbestände für den Eigenverbrauch benötigt zu haben. Seine Kunden und Bezugsquellen mochte er allerdings nicht nennen. Als Polizisten ihn nach der Festnahme durchsucht hatten, war auch ein Taschenmesser gefunden worden.

Die Staatsanwaltschaft befand daraufhin, dass es sich ihrer Ansicht nach um Drogenhandel mit Waffen drehte. Das hätte dem 24-Jährigen eine ungleich längere als die ohnehin drohende Haftstrafe einbringen können. Doch er machte der Strafkammer erfolgreich klar: "Ich habe das Messer immer dabei gehabt. Zum Brotzeitmachen und auch für berufliche Zwecke." Das klang plausibel. Von daher wurde dieser die Umstände wesentlich erschwerende Tatbestand fallen gelassen. Auch die Staatsanwältin stimmte zu.

Raus aus dem Teufelskreis

Seine Familie steht zu dem jungen Mann, die Lebensgefährtin tut das ebenfalls. In seinem Schlusswort dankte der 24-Jährige dafür und sagte der Strafkammer: "Mir ist unterdessen bewusst geworden, was die Drogen aus mir gemacht haben." Am Anfang rauchte er Marihuana, später stieg der Amberger auf Kokain und Crystal Speed um. Ein Teufelskreis, aus dem er nicht mehr heraus kam. Der Mann brauchte Geldsummen, die seinen Verdienst als Arbeiter weit überstiegen.

Der psychiatrische Sachverständige Thomas Lippert (Nürnberg) hatte den Beschuldigten im Vorfeld des Verfahrens lange untersucht und befragt. Beim Prozess kam er nun zu der Auffassung, dass eine Langzeit-Therapie von mindestens 18 Monaten unerlässlich sei. Das setzte für die Prozessbeteiligten einen zwingenden Orientierungspunkt. Staatsanwältin Zeller beantragte in ihrem Plädoyer vier Jahre Haft und sprach sich für eine Unterbringung in einem, wie man es nennt, geschlossenen Entzug aus.

Die Therapie wollte auch Verteidiger Seifert angeordnet wissen. Zudem äußerte er: "Drei Jahre Haft sind ausreichend." Die Kammer unter Vorsitz von Roswitha Stöber verhängte drei Jahre und neun Monate Haft. Sie ordnete außerdem eine Drogentherapie für den Angeklagten an. Er kann sie wohl schon in den nächsten Tagen beginnen. Die Dauer einer solchen Maßnahme wird auf die Strafhaft angerechnet. Wird sie erfolgreich absolviert, kann die Justiz den noch verbleibenden Teil der Haft zur Bewährung aussetzen.
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