Reinhold Escherl liest in der Bergkirche die Heilige Nacht von Thoma in Mundart
Mitten drin im Geschehen

Reinhold Escherl nahm seine Zuhörer mit auf die Herbergssuche von Maria und Josef. Bild: Huber
Wer die "Heilige Nacht" von Ludwig Thoma hört, sieht sich unweigerlich zu Menschen in einer tief verschneiten Landschaft in Oberbayern versetzt. Doch Reinhold Escherl kann auch anders. Bei seiner Lesung der "Heiligen Nacht" bringt er den Zuhörern in der voll besetzten Mariahilfbergkirche die Geschichte auf Oberpfälzisch nahe.

Der Schauspieler der Freudenberger Bauernbühne trägt das Werk von Ludwig Thoma in der ihm am besten vertrauten Mundart vor. Schnell schafft er es durch geschickte Abwechslung in der Stimmlage und Lautstärke, den Besuchern das Gefühl zu geben, wirklich mitten drin in dem biblischen Geschehen zu sein.

Beschwerlicher Weg

Gemäß des Aufrufs von Kaiser Augustus, jeder müsse sich beim "Rentamt" einschreiben, machen sich Zimmermann Josef und seine Frau Maria auf den Weg nach Bethlehem. Eindringlich zu spüren sind die Beschwerlichkeiten beim Marsch durch den tiefen Schnee. Das Bild vom Handwerksburschen, der Josef hilft, Maria zu tragen, huscht bei Escherls Erzählung am Auge vorbei. Stimmgewaltig schildert er bei der Herbergssuche in Bethlehem die hartherzige Abweisung des Paares durch die Wirte, einfühlsam und mit leiser Stimme bringt er die trostlose Situation der beiden Herbergssuchenden nahe. Selbst Josias verweigert der Verwandtschaft eine Raststatt, nur der Stall draußen vor der Stadt bleibt ihnen. Escherl lässt das Außergewöhnliche dieser Nacht allen zuteil werden - beim Traum des Handwerksburschen, der beim Aufwachen einen Stern so hell und klar entdeckt und eine Botschaft ("Ihr Hirten, kummts allesamt her! Es schlagt eich die heiligste Stund, ja Gott in der Höhe sei Ehr! Und Frieden den Menschen herunt!") vernimmt oder beim Besuch der Hirten an der Krippe: "So nackt und so arm hamms gsehgn. Im Barrn war a aufgheifelts Stroh. Und s Kind is ganz ruhig drauf glegn. Es woint niat und schaut grod a so."

Angelehnt an die Übersetzung der "Heiligen Nacht" ins Oberpfälzische durch den bekannten Dichter Eugen Oker und angepasst an seine Redeweise, hat es der Freudenberger Reinhold Escherl ausgezeichnet verstanden, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen und sie in die besondere Stimmung in der Krippe vor den Toren Bethlehems zu versetzen.

Nur etwas Schnee fehlt

Zwischen den einzelnen Abschnitten sorgte die Schirmitzer Stubenmusi in der harmonisch abgestimmten Besetzung mit Hackbrett (Tanja Schulz), Gitarre (Sieglinde Ziegler), Zupfbass (Markus Schulz) und Akkordeon (Wolfgang Ziegler) mit ruhigen und besinnlichen alpenländischen Weisen und Landlern für ein musikalisches Eintauchen in die Vorweihnachtszeit. Der Applaus der begeisterten Besucher war den Akteuren sicher. Es fehlte nur eins - etwas Schnee.
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