Religion hasst Gewalt

Es hat auch lange gedauert, bis die Katholiken das anerkannt haben.

Alle Religionen müssen für die Religionsfreiheit eintreten. Nur so gibt es auf Dauer gegenseitige Akzeptanz - Hass oder sogar Gewalt gegeneinander wird der Boden entzogen. Dafür spricht sich der katholische Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck aus.

Bei seinem Besuch in Amberg hielt er vor Soldaten der hiesigen Garnison im ACC einen Vortrag zum Thema "Religion und Gewalt". Ausgehend von der historischen Entwicklung beider Seiten betonte er, dass "zwischen fundamentalistischen, radikalen oder politisierenden Strömungen, die die Religion verzwecken und der Religion selbst deutlich differenziert werden muss". Die kriegerische Durchsetzung eines Glaubens oder ein gewaltsames Vorgehen im Namen dieser Religion agiere gegen deren eigene Grundlagen. "Im Islam und im Christentum gibt es keinen Gott, der die Menschen aufruft, Gewalt auszuüben", sagte Overbeck.

Religiöse Gewalt entsteht nach seiner Auskunft dann, wenn Menschen mit Wahrheitsansprüchen in Bezug auf die Existenz oder den Willen Gottes gegen andere vorgehen. "Es geht mit anderen Worten bei den gewaltsamen Ausschreitungen, wie wir sie heute und aus der Vergangenheit kennen, an erster Stelle nicht um eine Gewalt, die religiös begründet ist, sondern die religiös gerechtfertigt wird", hob der Bischof hervor und sagte noch deutlicher: "Dort, wo Religion draufsteht, ist in der Regel keine Religion drin."

Die Instrumentalisierung der Gottesmacht bei der Durchsetzung politischer oder anderer nichtreligiöser Ziele bilde die größte Gefahr für unsere Zeit. Overbeck forderte deshalb vor über 100 Zuhörern im Vortragsraum des ACC: "Nachhaltiges religiöses Friedensmanagement in religiös motivierten Konflikten ist möglich und heutzutage mehr als erforderlich. Wenn wir uns auf das Friedenspotenzial aller Religionen konzentrieren, ist sogar ein kooperatives interreligiöses Vorgehen gegen Gewalt in Krisensituationen eine reale Möglichkeit." Die jeweiligen Akteure könnten dank dieses Potenzials innerhalb ihrer Glaubensgemeinschaft in der Friedensbildung und -konsolidierung eine wichtige Rolle spielen.

Auch das gemeinsame Gebet, wie es das religionsübergreifend und im großen Stil 1986 in Assisi schon einmal gegeben hatte, könne "der Verzweckung der Religion entgegentreten und ist ein wunderbares Zeichen, was die Kraft der Religion bedeuten kann, für das Miteinander aller Menschen Sorge zu tragen".
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