Rezeptbuch aus dem Spätmittelalter

Als 16-Jähriger immatrikulierte sich Hartmann Schedel an der Universität Leipzig für das Studium eines Magister Artium. In Padua studierte er Medizin, praktizierte in seiner Geburtsstadt Nürnberg, wurde 1470 Stadtarzt in Nördlingen und kam 1477 nach Amberg.

Seinem Rezeptbuch sind die Namen seiner Patienten zu entnehmen. Die Kranken kamen zum Teil bis zu 50 Kilometer weit angereist, erklärte Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger. Schedel betreute auch die Klöster Kastl, Ensdorf, Michelfeld, Reichenbach, Walderbach und Speinshart. Seine Amberger Zeit nutzte er, um Bücher zu sammeln und zu kopieren sowie Dutzende Handschriften und Inkunabeln, Drucke aus der Früh- oder besser Wiegenzeit des Buchdrucks, zu erwerben. Schon 1477 hatte er sich mit historischen Texten befasst, die der Geschichte seiner Umgebung Amberg nahe standen. Mit seinen Abschriften schuf er eine historiographische Sammelhandschrift zur Geschichte der bayerischen und pfälzischen Wittelsbacher sowie zu den böhmischen und österreichischen Herrschern. Von Schedel stammt auch eine Abschrift der von dem Mönch Jakob Parfuss verfassten Ensdorfer Chronik, die nur dadurch erhalten blieb.

Ungeklärt bleiben muss laut Laschinger, wo der Stadtarzt in Amberg lebte und arbeitete. Das Bürgerrecht hatte er nicht erworben - wohl aus finanziellen Überlegungen. Als 1481 letztendlich sein Antrag beim Rat auf höhere Vergütung führte dies zum Wegzug, Hartmann Schedel ging nach Nürnberg. (usc)
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