Richter in Karlsruhe müssen sich mit Kindstötung in Neunburg und Mord in Schnaittenbach befassen
Revision im Doppelpack

Hans-Wolfgang Schnupfhagn (links) und der Angeklagte beim Prozess um die Tötung einer 38-Jährigen in Schnaittenbach. Archivbild: Hartl
Zwei vom Schwurgericht beim Landgericht Amberg ergangene Urteile wird der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe überprüfen müssen. In einem Fall hat sich der Weidener Anwalt Hans-Wolfgang Schnupfhagn an die höchste Instanz gewandt, in einer anderen Strafsache legte der Leitende Oberstaatsanwalt Harald Riedl Revision ein.

Keine schlüssigen Beweise

Im Dezember letzten Jahres hatte Chefermittler Riedl eine sechsjährige Haftstrafe für einen Familienvater aus Neunburg vorm Wald (Kreis Schwandorf) gefordert. Der 34 Jahre alte Mann stand im Verdacht, seinem erst sechs Wochen alten Baby tödliche Kopfverletzungen beigebracht zu haben. In dem mehrtägigen Prozess wies der Angeklagte jede Schuld von sich und wurde schließlich vom Amberger Schwurgericht freigesprochen. Die Richter sahen keinen schlüssigen Beweis dafür, dass der Beschuldigte das kleine Mädchen misshandelte. Woher der Säugling die erheblichen Verletzungen im Kopf- und Brustbereich hatte, blieb damit ungeklärt.

"Ich würde niemals gegen eines meiner Kinder mit Gewalt vorgehen", lautete eine Erklärung, die der 34-Jährige während des Verfahrens abgab. Nun will der Leitende Oberstaatsanwalt, der mit seinem Strafantrag ins Leere zielte, die Entscheidung vom BGH überprüft haben.

Am 10. April dieses Jahres war in Amberg ein aufsehenerregender Prozess zu Ende gegangen. Nach neun Verhandlungstagen wurde ein 47-Jähriger aus Schnaittenbach (Kreis Amberg-Sulzbach), der seine 38 Jahre alte Ehefrau in der Nacht zum 11. Februar 2013 in der gemeinsamen Wohnung mit über 50 Messerstichen getötet hatte, zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Schwurgericht gelangte dabei zu der Auffassung, der Mann habe aus niederen Beweggründen heraus und damit in Mordabsicht gehandelt. Die Richter entsprachen mit ihrer Entscheidung dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Auf Totschlag plädiert

Der Verteidiger des 47-Jährigen, Rechtsanwalt Hans-Wolfgang Schnupfhagn (Weiden), hat zwischenzeitlich gegen das Urteil Revision zum BGH eingelegt. Das geschah zunächst unter Wahrung zeitlicher Fristen in Kurzform. Ausführlich will Schnupfhagn, wie er auf eine Anfrage unserer Zeitung mitteilte, seine die Entscheidung rügenden Gründe dann einreichen, wenn ihm das Urteil in schriftlicher Form vorliegt. Das dürfte wohl in Kürze der Fall sein. Verteidiger Schnupfhagn hatte im Plädoyer einen Schuldspruch wegen eines minderschweren Fall des Totschlags verlangt.
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