Robin Hood trifft rosaroten Panther

Über einen Riesen-Beifall nach der Stunde der Musik durfte sich die Knappschaftskapelle freuen. Als Zugabe spielten die Musiker den bekannten amerikanischen Marsch "Unter dem Sternenbanner", gemeinsam gesungen wurde "Glückauf, der Steiger kommt". Mit ihrem Konzert stellte die Knappschaftskapelle ihre Besucher wieder einmal absolut zufrieden. Bild: Steinbacher

Die Knappschaftskapelle rief zur "Stunde der Musik" - und viele kamen dazu ins sehr gut besetzte ACC. Es ist ja nicht nur ein imponierendes Bild, das die fast 60 Instrumentalisten auf der Bühne abgeben.

Weil Leiter Thomas Prechtl instrumental aus dem Vollen schöpfen kann, sind bei allen Auftritten der Kapelle auch Highlights der Blasmusik zu erwarten. Das Programm bot ein breites Spektrum, reichte von Schostakowitschs "Festive Overture" über beeindruckende, stellenweise begeisternde Kompositionen noch lebender Komponisten bis zur Präsentation von im Charakter völlig verschiedenen Filmmusiken wie Robin Hood, Schindlers Liste, dem rosaroten Panther und dem Dschungelbuch. Allen gemeinsam war die sorgfältige, dynamisch klug differenzierte Gestaltung und die klangliche Ausgewogenheit des Spiels. Es ist eben eine Kunst, wenn ein Blasorchester nicht nur die "üppigen" Klänge wirkungsvoll über die Rampe bringt, sondern auch verhaltene p-Stellen gekonnt zu interpretieren vermag. Prechtl kann auf diese Qualität "seiner" Kapelle stolz sein.

Das Konzert begann schon mit einem "Aha-Effekt". Mit den sich steigernden Klängen des "Marchissimo" von Philip Sparke kamen die einzelnen Instrumentengruppen auf die (noch leere) Bühne, vervollständigten so nach und nach den "Einzugsmarsch" bis zur vollen Klangfülle, spielten stehend den Schluss des Marsches und geleiteten den Dirigenten auf die Bühne. In wohltuender Kürze hieß Vorsitzender Norbert Füger die Gäste willkommen. Danach kam Schostakowitschs Overture zum Klingen, ein instrumental anspruchsvolles Stück. Fanfarenhafte Klänge zum Einstieg, rhythmisch anspruchsvoll in den laufenden Passagen der Holzbläser, modern, aber stets melodiös unterlegt. Komponiert 1954 (dem Vernehmen nach) in einer Stunde zu einem Jubiläum des berühmten Bolschoi-Theaters in Moskau. Die Einstudierung, so verriet es der Moderator des Abends, dauerte allerdings wesentlich länger als eine Stunde.

Eigenes Entertainment

Die Verknüpfung der einzelnen Stücke übernahm Dr. Jürgen Krieg. Mit einer Fülle an Informationen überschüttete er das Publikum förmlich. Die Zahl der nominierten und gewonnenen Oscars und Grammys, die Hintergründe der Entstehung, alles wurde gewissermaßen als eigenes Entertainment im Konzert mit Esprit und Effekt vorgetragen. Dass er dabei oft übers Ziel hinaus schoss, war einer der sonst raren Kritikpunkte. Denn wenn die Moderation zum Stück länger dauert als die Musik selbst, dann ist das schon zu hinterfragen. Es war ja die Musik, die die Hauptrolle in diesem Konzert zu spielen hatte. Das tat sie unter der souveränen Leitung Prechtls in beeindruckender Weise. "Espana", ein Walzer von Emile Waldteufel, erklang mit Feuer und Schwung. Beim "Concerto d'Amore" stand Niklas Peter als Dirigent vor dem Orchester. Er absolviert derzeit eine Ausbildung zum Dirigenten von Blasorchestern und zeigte eindrucksvoll seine Führungsqualitäten. Nach "Frei Weg", einem Militärmarsch, präsentierten sich bei dem originellen Stück "Wurzel und Purzel" die beiden Klarinettisten Niklas Peter und Moritz Rothmeier als harmonierendes Team.

"Dornröschen war ein schönes Kind": Dieses Kinderlied-Thema wurde fantasiereich durch alle Varianten geführt und die Solisten konnten mit ihrem sowohl rhythmisch wie auch klanglich gelungenem Spiel die Zuhörer begeistern. Nach der Pause zeigte zunächst das von Lisa-Marie Holzschuh geleitete Nachwuchsorchester sein schon beeindruckendes Niveau. "Break out" von Van Calster, "Halleluja" von Leonhard Cohen und das anspruchsvolle "The Lords of the Rings" von Howard Shore - kaum zu glauben, dass diese junge Truppe erst seit Januar miteinander spielt.

Dann aber war das große Orchester wieder an der Reihe, um eine Auswahl an effektvollen Filmmusiken zu präsentieren: "Robin Hood" und die Musik zu "Schindlers Liste", bei der Christopher Kott im Violinsolo die Emotionen eindrucksvoll ausspielte. Dem ausdrucksvollen "Out of Afrika" folgte der originell, witzig und spritzig dargebotene "Pink Panther".

Knalliger Schlusspunkt

Überzeugend war die Interpretation der "Raindrops"-Filmmusik, fetzig und klasse gespielt wurden die Szenen aus dem "Dschungelbuch". Da hörte man die Elefanten trompeten, da war Balus Philosophie "Probier's mal mit Gemütlichkeit" oder der Affen-Song "Ich wär so gern wie du" mitreißend präsentiert. Mit den "Glorreichen Sieben" gelang dem Orchester ein richtig knalliger Schluss.
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