Rolf Klette blickt in die Firmengeschichte
Vom unterirdischen Bierlager zum Getränke-Heimservice

Bis 1983 stellte die "Getränkefabrik Klette", wie sie sich stolz nannte, Limonaden selber her. Dazu hatte sie auch eine eigene Abfüllanlage, die ziemlich viel Platz brauchte und zwei Umzüge nötig machte.

Die älteren Amberger erinnern sich noch an den Felsenkeller in der Sulzbacher Straße. Dort fing 1964 alles an. Heinz Klette nutzte dieses unterirdische Bierlager als erste Betriebsstätte, um eine an der Vils neue Idee aufzubauen: einen Getränke-Heimservice.

Mit einem VW Bus begann der Gründer des Unternehmens vor fünf Jahrzehnten, Bier und Limonaden zu den Kunden nach Hause zu liefern. Mehr und mehr Leute nutzten das gerne in einer Zeit, in der noch nicht jeder ein Auto hatte. So wuchs die Firma Getränke Klette rasch. Heuer konnte sie ihr 50-jähriges Jubiläum feiern - mit einem Festabend mit Toni Lauerer in der Zentrale, die sich mittlerweile in Vilshofen befindet.

Lehre: Mineralwasserwerker

Darauf ist Rolf Klette stolz, der das Unternehmen bereits 1984 von seinem Vater Heinz übernahm. Schon als 14-Jähriger gleich nach der Schule stieg er im elterlichen Betrieb mit ein. Wie sein alter Herr machte er eine Lehre zum Mineralwasserwerker und zum Großhandelskaufmann. Letzteres gewann später stärker an Bedeutung, zunächst produzierten Vater und Sohn in Eigenregie Limonaden, die sie zusammen mit weiteren Getränken, zum Beispiel Bier der Kulmbacher Reichelbräu, auslieferten. So war Klette mit seinem heutigen Stand von rund 60 Mitarbeitern in den ersten 19 Jahren auch ein Getränkehersteller gewesen.

"Klette-Limonaden" schmeckten vielen Leuten gut - besser als Wasser, das damals kaum gefragt war. "Von 40 Kisten, die auf einen Lieferwagen passten, war gerade mal eine Kiste Mineralwasser dabei", erzählt Rolf Klette und fügt einen Witz an, den die Fahrer seinerzeit gerne machten: "Die, die das trinken, müssen wohl krank sein." Oder ernährungsbewusst, weil sie auf allzu viel Zucker verzichten wollten, würde man aus heutiger Sicht sagen.

Immerhin bis 1983 lief bei Klette die Limonadenherstellung samt eigener Abfüllanlage. Diese Technik war es auch gewesen, die die Firma rasch wachsen ließ. Im Bierkeller an der Sulzbacher Straße konnte eine solche Maschine nicht aufgebaut werden, weshalb sich Heinz Klette schon rund drei Jahre nach Betriebsgründung nach einem größeren Domizil umschaute.

Neubau selber gemauert

Er fand es in Ammersricht, wo aber nach rund fünf Jahren weiter steigendem Geschäftsbetrieb ebenfalls das Ende der Fahnenstange erreicht war. Deutlich mehr Platz, auch für den ebenso rasant gewachsenen Heimservice samt nötiger Lagerkapazitäten, musste her. 1972 erwarb der Seniorchef das 4000 Quadratmeter große Grundstück am Bachweg in Kümmersbruck, wo Rolf Klette heute noch wohnt und von wo aus der Aufstieg mit weiteren Filialen so richtig begann.

"Bis zum ersten Stock haben mein Vater und ich den Neubau selber hochgemauert", berichtet der heutige Firmeninhaber über den Fleiß der Familie. Weil Vertrieb von Getränken aller Art und Limonadenproduktion damals schon in größerem Stile liefen, nannten die Geschäftsleute ihren neuen Sitz auch stolz "Getränkefabrik Klette". Doch auch hier sollte nach 18 fruchtbaren Jahren der Weiterentwicklung - ab 1984 unter der alleinigen Ägide von Rolf Klette - der Platz wieder zu klein werden. Zunächst konnte gleich gegenüber am Bachweg in Kümmersbruck ein Freigelände für Lieferfahrzeuge und Leergutlagerung gepachtet werden; aber der Wunsch, hier auch eine Halle zu bauen, scheiterte schließlich.

Rieden mit offenen Armen

Doch in der Gemeinde Rieden in Vilshofen war 1993 schnell eine zweite und bessere Lösung gefunden. Im dortigen Gewerbegebiet war eine rund 11 000 Quadratmeter große Fläche frei, die Bürgermeister Gotthard Färber seinem Schulfreund Rolf Klette anbot (die beiden kannten sich seit der gemeinsamen Berufsschulzeit). Weil auch in Sachen Baugenehmigung alles schnell und "mit offenen Armen" ging, schlug der Haselmühler Firmenchef zu und erwarb das Areal, auf dem dann drei Hallen, ein Bürogebäude und ein Getränkemarkt entstanden.

1994 verlegte Rolf Klette auch den Firmensitz hierher, blieb aber mit seiner Frau und den zwei Kindern am auch privat genutzten Standort am Bachweg wohnen. Apropos Familie: Noch im selben Jahr trat Sohn Alexander ins Unternehmen ein, sechs Jahre später folgte auch sein Bruder Manuel. Zu dritt in der Führungsebene wurden dann weitere wichtige Entscheidungen getroffen: 2006 zum Beispiel erfolgte die Übernahme von sechs Schmidtbräu-Getränkemärkten, um 2007 für die weiter gewachsene Firma ein neues Verwaltungsgebäude in Vilshofen mit zwölf Büro- und Schulungsräumen zu bauen.

Auf 14 Filialen gewachsen

Doch damit war die Expansion noch nicht beendet: Wiederum nur ein Jahr später entschlossen sich die Klettes, in Weiden im Industriegebiet eine Niederlassung vor allem für die Gastronomie-Belieferung zu errichten. Und 2012 wurde als vorerst letzter Baustein die Hammer-Getränke e.K. in Vilseck übernommen.

Mittlerweile hat das Unternehmen 14 Filialen an neun Standorten quer über die Oberpfalz verteilt (neben Kümmersbruck, Rieden, Weiden und Vilseck auch Amberg, Regensburg, Bernhardswald, Schwandorf und Eslarn). Trotz dieser Ausbreitung ist es ein Familienbetrieb geblieben, der auch in Zukunft als solcher weiterbestehen wird, wie Rolf Klette stolz ankündigt.

Denn seine zwei Söhne sollen natürlich das Geschäft von ihm komplett übernehmen - die Übergabe stehe bald bevor, nachdem der Haselmühler Unternehmer erst Mitte September 64 Jahre alt geworden ist.
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