"Ruinöser Preiskampf"

"Schleuderpreise zerstören" stand auf einem Plakat, das die Bauern- und Verbandsvertreter an einen Einkaufswagen hefteten, um damit so in die Aldi-Filiale am Rammertshofer Weg zu fahren und dort etliche der kritisierten Milch- und Schweinefleischproduktion zu erwerben. Diese Waren wurden anschließend mit textlich identischen Aufklebern draußen vor der Tür an Kunden verteilt - natürlich nicht, ohne sie über den Hintergrund der Aktion aufzuklären. Bilder: Huber

Billig sind viele Waren eh schon. Schweinefleisch- und Milchprodukte gab es gestern Vormittag vor Aldi am Rammertshofer Weg sogar geschenkt. Vom Bayerischen Bauernverband, der mit dieser Aktion gegen die "ruinöse Preispolitik" großer Handelskonzerne protestierte. Leidtragende sind für ihn nämlich die heimischen Landwirte.

Sie haben nach Auskunft des Amberg-Sulzbacher Kreisverbands seit langem "mit dramatisch niedrigen Erzeugerpreisen zu kämpfen" - in allen Produktionsbereichen: von Schweinehaltern über Getreide- bis hin zu Milchbauern.

"Der Lebensmitteleinzelhandel trägt dazu wesentlich bei - die Konzerne liefern sich derzeit einen ruinösen Preiskampf auf dem Rücken der Bauern", heißt es aus der Amberger BBV-Geschäftsstelle, die am Dienstag zu der Protestkundgebung vor der Aldi-Filiale samt anschließendem Probeeinkauf aufrief. Wie Kreisobmann Franz Kustner vor Ort erläuterte, passierte das vor einem doppelt brenzligen Hintergrund: Derzeit würden die mächtigen Handelskonzerne, allen voran Aldi, mit Großmetzgereien, Schlachthöfen und Molkereien Verhandlungen über die Einkaufspreise in den nächsten Monaten führen. Obwohl vor allem bei Milch und Schweinefleisch das Niveau schon ganz unten sei, versuchten die Ketten, die Preise noch weiter zu drücken. Mit dem Effekt, dass die Erzeuger praktisch nicht mehr überleben könnten, warnt Franz Kustner, der dadurch weitere Gefahren sieht: Wenn Landwirte vor Ort kaputtgehen, dann sei auch die sonst vielgepriesene regionale Erzeugung samt Nachhaltigkeitsstreben und lokaler Wertschöpfung dahin.

Das ist ein Thema, das der Kreisobmann und seine Mitstreiter vom BBV eine Stunde lang auch Kunden vor der Aldi-Filiale klarmachten. Denn viele Verbraucher würden ja mittlerweile auf Qualität und regionalen Ursprung ihrer Lebensmittel achten. Über diesen "Druck" von Kundenseite hofft der Bauernverband, die Konzerne in ihren Verhandlungen zu einem Umdenken zu bewegen. Aber auch an die Politik richtet er den Wunsch, den Marktriesen in puncto oft frappierender Preisgleichheit und über das Kartellgesetz besser auf die Finger zu schauen.
Weitere Beiträge zu den Themen: August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.