Runder Tisch "Fehlanzeige"

Hier am Paradiesplatz standen im vergangenen Jahr beim Altstadtfest gleich mehrere runde Tische mit fröhlichen Menschen. Vielleicht hätten die Besucher heuer noch schöner gefeiert, wenn es zuvor wenigstens einen runden Tisch im übertragenen Sinn mit Stadträten, Veranstaltern, Platzbetreibern und Bürgern gegeben hätte, um über die Gestaltung und neue Festideen zu reden, meint die SPD-Fraktion. Archivbild: Steinbacher

Am nächsten Wochenende feiern wir Altstadtfest - im Prinzip wie eh und je und ohne große Veränderungen. Genau das kritisiert nun die SPD-Fraktion. Sie erinnert daran, dass der Stadtrat erst 2014 dafür plädiert hatte, eine Grundsatzdebatte über künftige Feste und ihre Gestaltung zu führen. Passiert ist seither nichts, beklagen die Sozialdemokraten.

Darüber beschwert sich Fraktionsvorsitzende Birgit Fruth in einem Brief an Oberbürgermeister Michael Cerny. Sie spricht zwar offiziell von einer "Anfrage" an die Stadt, schreibt aber schon in ihrer Betreffzeile recht deutlich: "Runder Tisch zum Altstadtfest - Fehlanzeige". Auch im ersten Satz heißt es klar: "Entgegen der im vorigen Jahr getroffenen Vereinbarung wurde weder die versprochene Arbeitsgruppe gegründet noch fand eine sonstige öffentliche Diskussion unter Beteiligung der Amberger Congress Marketing statt."

Birgit Fruth bezieht sich vor allem auf eine Debatte im Stadtrat, die Ende Juli 2014 unmittelbar nach dem damals um rund fünf Wochen verschobenen Altstadtfest geführt worden war. Darin hatten Mitglieder nahezu aller Fraktionen verschiedene, teils seit Jahren immer wieder diskutierte Themen einmal mehr aufgerollt, aber auch neue Vorschläge gemacht. Eine generelle Verlängerung der Sperrstunde wurde ebenso gefordert wie eine dreitägige Feier, wofür 2014 mit dem Start des Festes am Freitagabend in einigen Kneipen schon ein Versuch unternommen worden war.

Für mehr Kunst und Kultur

Vielen ging es aber auch um mehr Kunst und Kultur. Etwas mehr Kreativität verlangte zum Beispiel CSU-Stadträtin Michaela Frauendorfer, ihr SPD-Kollege Dieter Amann wünschte sich vor allem Künstlerisches, denn "der Kommerz hat uns eingeholt". Gaukler, Seiltänzer, Theater und mehr stellte sich Josef Lorenz von Amberger Bunt vor, und Simone Böhm-Donhauser (SPD) wollte, dass vor allem Amberger Firmen verdienen und nicht auswärtige. Überhaupt: Wäre das Fest drei Tage lang, dann würden auch mehr Gastronomen und Vereine mitmachen, meinte Emilie Leithäuser für die FDP.

Die Amberger Zeitung schloss ihren ausführlichen Bericht über die Stadtratsdiskussion am 23. Juli so: "Einigkeit herrschte darüber, dass etwas geschehen muss, um das Altstadtfest noch attraktiver und möglicherweise länger zu machen. Das soll nun in einer ergebnisoffenen Grundsatzdebatte geschehen."

"Fakten geschaffen"

Daran knüpft Birgit Fruth in ihrem Schreiben an mit den kritischen Worten: "Es ist nun zu befürchten, dass in diesem Jahr wieder weniger einheimische Beschicker oder Künstler zum Zuge kommen werden. Dass wieder weniger regionales Engagement gewürdigt wird. Es sind Fakten geschaffen, die in einer Vorabdiskussion beleuchtet und eventuell noch korrigiert werden hätten können."

Von wegen "Wir-Gefühl"

Noch deutlicher hält sie dem OB vor: "Eine Chance wird hier wieder aufs Neue vertan, ein gemeinsames Amberger ,Wir-Gefühl' zu leben." Und nicht weniger vorwurfsvoll klingt Fruths "Frage" an die Verwaltung, "warum nicht zeitnah reagiert wurde und die Bürger in einer öffentlichen Diskussion mit eingebunden worden sind?"
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