Runderneuert bis unters Dach

Als typische Mehrfamilien-Bausubstanz der 60er Jahre erweisen sich die Wohnungsunternehmen-Komplexe an der Eglseer- (vorne) und Plechstraße (hinten). Den Vergleich mit einem Niedrigenergiehaus von heute brauchen sie aber nicht mehr zu scheuen. Bilder: Huber (2)

Bauen sie noch oder schläfst du wieder? So würde womöglich ein Bastelmöbel-Konzern die Sanierung zweier Genossenschafts-Komplexe im Eisbergviertel bewerben. Jetzt warf eine Bewertungskommission ihren abschließenden Blick auf das Modellprojekt.

(zm) Kein Geringerer als das Innenministerium in seiner Eigenschaft als Oberste Baubehörde hatte das Vorhaben "e % - Energieeffizienter Wohnungsbau" Ende 2007 aufgelegt. Amberg wurde als eine von sechs Maßnahmen mit zwei Mehrfamilien-Komplexen aus dem Bestand der Genossenschaft Wohnungsunternehmen Amberg aufgenommen. Es handelt sich um die Komplexe mit den Adressen Eglseer Straße 66/68 und Plechstraße 1/3. Den dafür ausgelobten Architektenwettbewerb gewann das Büro Walter Unterrainer aus dem österreichischen Feldkirch.

Optimum im Blick

Der Wettbewerb verfolgte mehrere Ziele zugleich, resümierten am Freitag vor der angereisten Runde Christian Eberhardt (ev architekten, Amberg) und Helmut Weigl (EPW Planungsgesellschaft, Amberg). Sie waren vor Ort für die Umsetzung verantwortlich. Heute zeigen sie sich überzeugt, das Modellvorhaben im Sinne der Ausschreibung mehr als nur gelungen umgesetzt zu haben. Sie atmeten aber sichtlich auch auf.

Auf den ersten Blick stand im Vordergrund, in die Jahre gekommene Bausubstanz (Baujahr 1962) auf dem Stand zeitgemäßer Technik (Versorgung, Dämmung) mit dem Optimum des Möglichen im Blick energetisch zu sanieren. Parallel sollte die Wohnqualität unter demografischen Aspekten (Barrierefreiheit) verbessert und das Gesamtprojekt unter bewohnten Bedingungen umgesetzt werden. "Das war die größte Herausforderung", blickte Eberhardt vor der Expertenrunde zurück. Weigl lag der Satz vom "ganz normalen Wahnsinn" auf den Lippen.

Strategie geändert

17 Monate nahm bis Ende 2013 die Umsetzung in Anspruch, und die Arbeitsstrategie wurde angesichts der gemachten Erfahrungen mehrfach geändert. Waren Eberhardt und Weigl anfangs noch davon ausgegangen, bei genutzten Wohnungen neue Leitungsstränge, Heizungs- und Sanitärinstallationen einbauen zu können, so rückten sie davon später wegen der kaum zumutbaren Belastungen für die Mieter wieder ab.

Die Genossenschaft konnte in umliegenden Komplexen Ausweichquartiere anbieten, die jeweils betroffenen Mieter zogen übergangsweise um. Danach wurden die nötigen Arbeiten Treppenhausstrang für Treppenhausstrang in jeweils einem Zug erledigt. Auf das Ergebnis sind Eberhardt und Weigl durchaus stolz. Die Bauzeit pro Wohnung habe damit auf drei Wochen reduziert werden können. Heute stehen die beiden Mehrfamilien-Blöcke (24 Vier-Zimmer Wohnungen, rund 45 darin lebende Menschen überwiegend gesetzteren bis höheren Alters) aus der Sicht der Bauleitung tiptop da: hohe Dämmleistung, eine zentrale Pellets-Heizanlage für alle Wohnungen, barrierefreie Erdgeschosseinheiten, Abluft-Wärmerückgewinnung, vergrößerte Balkone, mehr überdachte Pkw-Abstellplätze, optimierte Treppenhauseingänge.

Eine Anekdote konnte sich Weigl dann doch nicht verkneifen. Nicht der für nur Wochen aufgestellte und wieder aufgegebene, unpraktikable Sanitärcontainer sei das Schlimmste gewesen. Nein. Es war der fatale Ausfall der TV-Anlage jeweils kurz vor dem Anpfiff der Fußball-WM-Viertel- und Halbfinalbegegnungen im Sommer 2012. (Hintergrund)
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