Sackgasse Überproduktion

Der Amberger Milchhof brummt mit seinen Produkten körniger Frischkäse, Mozzarella und Rigatino (beim Reifen im Hintergrund). Eine Führung durch die Produktion von Betriebsleiter Gerhard Weiß beeindruckte auch Regierungspräsident Axel Bartelt, den BBV-Präsident Franz Kustner (von links) eingeladen hatte. Bild: Hartl

Der Oberpfälzer Parmesan heißt Rigatino. Er wird in Amberg produziert und genießt einen sehr guten Ruf. Speziell in Italien. Den hiesigen Milchbauern nutzt das recht wenig.

(zm) Sie müssen gerade wieder gegen einen abstürzenden Milchpreis und damit um ihre wirtschaftliche Existenz kämpfen. "Etwas deprimierend" ist das auch für Regierungspräsident Axel Bartelt, der sich am Dienstagvormittag zwei landwirtschaftliche Betriebe im Landkreis anschaute und facettenreiche Eindrücke sammelte. Das war offenbar auch die Absicht des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), dessen Präsident Franz Kustner diese Informationstour angeboten hatte.

Der Amberger Milchhof, so der umgangssprachliche Name, war die letzte Station, und Bartelt zeigte sich beeindruckt, wie "unterschiedlich strukturiert" landwirtschaftliche Betriebe in der Region sind. Besucht hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits die Biogasanlage WK-Energie (Zusammenschluss von fünf Landwirten) bei Weiher und den hochmodernen, weitgehend automatisierten Milchviehbetrieb von Florian Birner in Krumbach. Er zeigte sich beeindruckt.

Ein Erfolgsbetrieb

Dann tat dem Regierungspräsidenten aber doch "schon ein bisserl das Herz weh", nachdem Dr. Norbert Bauer, Geschäftsführer der Bayernland e.G., die Molkerei an der Hans-Thoma-Straße als einen der erfolgreichen Produktionsstandorte der Genossenschaft von rund 2300 Bauern vorgestellt und den momentanen Milchpreisverfall erläutert hatte. An dem Amberger Betrieb liege das nicht, der schreibe Erfolgszahlen, hob Bauer hervor.

Er könne sogar mit Superlativen aufwarten. Etwa mit den 13 000 Jahrestonnen körnigem Frischkäse, der Spitzenposition in diesem Produktsegment im deutschsprachigen Raum. Hinzu kämen 16 000 Tonnen an Mozzarella in unterschiedlichen Größen und 5 000 Tonnen Hartkäse, darunter der Rigatella und die Variante Rigatino. 800 000 Kilogramm Milch verarbeitet die Amberger Käserei laut Bauer täglich. Das summiert sich auf 180 Millionen Kilogramm pro Jahr, darunter 22 Millionen Kilogramm Biomilch. Doch all diese so nach Erfolg klingenden Zahlen würden keinen unmittelbaren Einfluss auf den Milchpreis haben. Der sei inzwischen auf Gedeih und Verderb vom Weltmarkt abhängig und der werde von einer anhaltenden Überproduktion bestimmt.

Diktat des Weltmarkts

Seit die EU direkte Subventionen und Marktinterventionen Stück für Stück zurückgenommen habe, würden immer mehr ausschließlich Angebot und Nachfrage den Preis regulieren. Deshalb die Schwankungen der Vergangenheit, die jetzigen und wohl noch mehr in der Zukunft. Denn zum 1. April 2015 fällt EU-weit auch noch die Milchkontingentierung. Bauer, der aus der Sicht des Produkt-Veredlers den Markt beobachtet, hatte für ebenfalls eingeladene Milchbauern und BBV-Repräsentanten keine allzu optimistische Einschätzung parat.

Düstere Prognose

Die momentanen Verhältnisse kämen der "stürmischen Situation 2008, 2009" gleich, und für das erste Quartal 2015 prognostizierte der Molkerei-Geschäftsführer einen Preis unter 30 Cent pro Liter. Mit "einzelbetrieblichen Maßnahmen" könne da kein Landwirt gegensteuern, ist sich Bauer sicher. Ebenso, dass für Milchbauern das Leben wohl noch schwerer werde. Ein Rundgang durch den Betrieb, der in drei Schichten arbeitet und rund 200 Beschäftigte hat, überzeugte auch Bartelt von der qualitativ hochwertigen Veredlung des landwirtschaftlich erzeugten Grundnahrungsmittels Milch hier.

Er wünschte sich deshalb ein Konsumentenverhalten, das bei Nahrungsmitteln nicht nur nach dem Preis schiele und so zumindest abfedernd den Bauern helfen könne. Das wäre schön, merkte auch Bauer an. Den Weltmarkt werde es aber wohl kaum beeindrucken.
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