Sagenhafte Zinsen

Es geht um satte vier Millionen Euro. Trotz einer zunächst erfolgten Ablehnung der Ersten Strafkammer hat der Prozess gegen einen Finanzmakler (54) aus Amberg am Mittwoch begonnen.

Die Anklageschrift ist zwischenzeitlich verlesen, die ersten Zeugen sind vernommen. Dass sie ihr investiertes Geld jemals zurück erhalten, gilt als unwahrscheinlich. Die Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Roswitha Stöber kann den Prozess weiter führen, ein gegen sie gestellter Ablehnungsantrag wegen Befangenheit wurde als unbegründet zurückgewiesen.

Unterdessen gab es am zweiten Verhandlungstag ein weiteres Ablehnungsbegehren des Bremer Strafverteidigers Hans Meyer-Mews. Doch darüber soll erst an einem der kommenden 13 Verhandlungstage entschieden werden. Dann muss es auch zu einem Beschluss kommen, ob der seit einem Jahr inhaftierte Angeklagte auf freien Fuß kommt. Anwalt Meyer-Mews hielt dies für unerlässlich. Die Anklageschrift wurde am Mittwoch durch den ermittelnden Staatsanwalt Dr. Andreas Gietl aus Weiden verlesen.

Dabei wurde offenkundig: In 17 Fällen des einfachen und schweren Betrugs soll der Makler von Leuten aus dem In- und Ausland Darlehen angeworben und den Geldgebern hohe, ja fast schon unglaubliche Renditen zugesagt haben. Ein Beispiel: Für 200 000 Euro, festgelegt auf wenige Wochen, sollte es unter dem Strich 300 000 Euro geben.

Der 54-jährige Beschuldigte arbeitete offenbar über Jahre hinweg eng mit dem sogenannten Mallorca-Betrüger Wolfgang S. (68) zusammen, der heuer in Weiden zu elf Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Die Frage, die nun zu klären ist, lautet: Wurden alle Gelder an Wolfgang S. weitergeleitet? Der Amberger mag nichts sagen. Er will, wie sein Anwalt Hans Meyer-Mew wissen ließ, "vor befangenen Richtern keine Angaben machen." Es gibt noch eine weitere Frage, die bislang unbeantwortet ist: Wo ist das Geld geblieben? Den Darlehensgebern, davon ist Staatsanwalt Dr. Andreas Gietl aus Weiden überzeugt, wurde vorgegaukelt, dass auf irgendeinem Konto sagenhafte 500 Milionen Euro lagern. Doch um die riesige Summe zu erhalten, seien Gebühren und Abgaben nötig. Und eben dafür, so erfuhren die Geldgeber, brauche man nun Darlehen.

Als die Leute nach einiger Zeit stutzten und ihre Einlagen samt Renditen einforderten, wurden anscheinend immer neue Ausreden gefunden. Man vertröstete sie sinngemäß: "Bald ist es soweit."

Inzwischen sind erste Geschädigte von der Strafkammer vernommen. Ein Betriebswirt aus dem Schwäbischen machte aus seinem Herzen keine Mördergrube: "Ich kann bis heute nicht verstehen, warum ich das gemacht habe." Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.
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