Sattelfest bis in die Partnerstadt

Périgueux" Bürgermeister Antoine Audi (Dritter von links) empfing die beiden Radfahrer aus Amberg, Thomas Meier (links) und Sylvain Debroux (Dritter von links), am Rathaus seiner Stadt. Die Amis d"Amberg, ein Verein, der sich um die Belange der Partnerschaft kümmert, mit Michael Puoto (Dritter von rechts) an der Spitze, luden die Oberpfälzer zum Abendessen ein. Bild: hfz
 
Thomas Meier: "Périgueux ist schön, vor allem die Altstadt."

Eigentlich war es zunächst ein Scherz, doch daraus wurden schließlich exakt 1514 Kilometer. Sylvain Debroux, ein in Amberg lebender Franzose, und sein Freund Thomas Meier radelten nach Périgueux.

Die Partnerschaft der beiden Städte Amberg und Périgueux wird heuer 50 Jahre alt. Und deshalb meinte Sylvain Debroux zu seiner im Kulturreferat arbeitenden Freundin Barbara Cosima Frey, dass er im Jubiläumsjahr ja nach Périgueux radeln könne. "Ich habe das aus Spaß gesagt", erklärt er. Sylvain Debroux fragte seinen Freund Thomas Meier, ob er mitkommen wolle. "Irgendwann habe ich dann gesagt: Ja, ich fahre mit." Die beiden Männer sind Fahrradtouren-erprobt. "Vor zwei Jahren habe ich eine große Tour auf dem Donau-Radweg gemacht, vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer." Und Meier fährt ab und zu mit dem Fahrrad zur Arbeit, rund 20 Kilometer. Am Wochenende geht's dann auch mal nach Nürnberg oder Regensburg.

Das Nötigste im Gepäck

Als die beiden Freunde im Internet hinsichtlich der Strecke recherchierten, spuckte die Suchmaschine Google die kürzeste Route aus: 1250 Kilometer. Doch die Tour der beiden war 264 Kilometer länger. Im Gepäck hatte das Duo nicht viel. "Kleidung, ein Zelt, Schlafsäcke, Regenjacke, Werkzeug, Ersatzschlauch", zählt Debroux auf. "Wir hatten auch noch einen kleinen Kocher dabei", ergänzt Thomas Meier und schätzt das Gewicht des Gepäcks auf 15 bis 20 Kilo.

"Wir hatten eigentlich perfektes Radwetter", bilanziert der Amberger. Lediglich beim Start regnete es. Von Amberg aus ging es nach Regensburg, dann entlang der Donau nach Donaueschingen. In Deutschland benutzten die beiden vorwiegend Radwege, mussten aber auch durch den Schwarzwald. "Bergauf mit dem 15 Kilo schweren Gepäck, das war stellenweise sehr anstrengend", gesteht Thomas Meier. Und da es in Frankreich nicht so viele Radwege gibt wie hierzulande, fuhren die Männer auf kleineren Straßen, ein ganzes Stück auch entlang eines Flusses. 614 Kilometer hatten sie absolviert, als sie am fünften Tag bei Neuenburg am Rhein die Grenze überquerten. Weitere 900 folgten bis in die Amberger Partnerstadt.

Meistens seien sie gegen 6 Uhr aufgestanden, hätten ihr Zelt abgebaut, einen Kaffee getrunken und seien dann losgeradelt. Das war so gegen 8 Uhr. Nach fünf bis sechs Stunden im Sattel legten sie eine Mittagspause ein. "Fürs Essen haben wir meistens in Supermärkten eingekauft", erinnert sich Debroux. Danach waren die Amberger wieder bis gegen 18 Uhr unterwegs. "Manchmal war es auch später, so gegen 20 Uhr." Während sie in Deutschland speziell ausgewiesene Zeltplätze nutzten, campierten sie in Frankreich, "wo's gepasst hat". Ernährt haben sich die beiden auf ihrer Tour hauptsächlich von Nudeln, aber auch von Baguette und Käse. "Abends gab's natürlich immer Rotwein", sagt Sylvain Debroux grinsend. Sein Freund Thomas schwärmt von Pain au chocolat, ein Gebäck aus Plunder- oder Blätterteig mit Schokoladenfüllung.

Empfang bei Bürgermeister

Bei der Mammut-Tour gab es auch mal den einen oder anderen Durchhänger. "Als wir an einem Tag 150 Kilometer geradelt sind, habe ich mir gesagt: Jetzt reicht's langsam", erzählt Thomas Meier. Doch als das Duo dann einen schönen Platz zum Campen fand und kochte, "da war dann alles wieder okay". Tag zwölf dieser besonderen Tour de France: Von Saint Yrieix la Perche aus erreichten die Amberger nach 71 Kilometern schließlich Périgueux.

Ihr erster Weg führte sie in die Tourist-Info, um eine günstige Unterkunft zu buchen. Sie fanden schließlich eine, in der auch Pilger, die auf dem Jakobsweg unterwegs sind, übernachten. "Das erste Bett seit zwölf Tagen", sagt Thomas Meier grinsend. Noch vor der Abfahrt hatte sich Sylvain Debroux mit Michel Puoto, dem Präsidenten der Amis d'Amberg, per Mail in Verbindung gesetzt und angekündigt, dass zwei Radfahrer aus der Partnerstadt nach Périgueux kommen werden.

"Als wir dort angekommen sind, hat er uns angerufen", berichtet Sylvain Debroux. Michel Puoto wartete mit einer Überraschung auf: Bürgermeister Antoine Audi hatte die Gäste zu einem Empfang ins Rathaus eingeladen. Darüber freuten sich die beiden Männer sehr. Obwohl Sylvain Debroux Franzose ist (er kommt aus der Ardennen-Region), war er zum ersten Mal in seinem Leben in Périgueux. "Eine sehr schöne Stadt", urteilt er. Sein Freund pflichtet ihm bei, besonders gefiel ihm die Altstadt. Auch dem Square d'Amberg, ein Platz nahe des Flusses Isle, der der Partnerstadt gewidmet ist, stattete das Duo einen Besuch ab. Mit den Amis d'Amberg verbrachte es außerdem noch einen netten Abend: Die Organisation lud die Männer zum Essen ein.

Sofort wieder

In der Pilgerunterkunft nächtigten die Oberpfälzer ein zweites Mal, ehe sie sich wieder in den Fahrradsattel setzten, um noch einen in Libourne lebenden Freund von Debroux zu besuchen. Dieser nahm die beiden mit auf ein Weinfest. Per Zug kehrten sie dann nach Hause zurück. "Ich würde es sofort wieder machen", sagt Thomas Meier spontan. Und auch Sylvain Debroux zehrt noch von den Erinnerungen der Tour. "Alles hat gepasst, wir hatten keine Probleme mit den Fahrrädern, das Wetter war schön", erklärt er. Stolz können die beiden Männer sein, dass sie einen feinen Beitrag zum 50. Jubiläum der Städtepartnerschaft geleistet haben.
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