Schätze, die keiner kennt

Die WMF-Figur: Das klingt nach Hausrat. Kein Wunder. Die drei Buchstaben kennt man vor allem aus der Küche. Doch die Württembergische Metallwarenfabrik war auch einmal sehr stark auf Friedhöfen präsent - mit besonderen Grabfiguren. Es gibt nicht mehr viele davon. Aber Amberg hat noch einige Exemplare.

Stadtheimatpflegerin Beate Wolters liegen diese sogenannten Galvano-Plastiken sehr am Herzen - weil sie so ausdrucksstark sind, aber auch, weil der Zahn der Zeit unbarmherzig an den andernorts schon rar gewordenen Schönheiten nagt. Wer demnächst die Friedhöfe von Katharina oder Dreifaltigkeit besucht, sollte einmal bewusst Ausschau halten nach den WMF-Figuren, empfiehlt Wolters. Sie sind leicht zu erkennen, die großen Statuen, die meisten von ihnen Engel, die aussehen, als wären sie aus Bronzeguss.

Hingegossene Trauer

"Die sind einfach wunderschön", schwärmt die Heimatpflegerin - "und sie sehen aus, wie man sich Grabplastiken um die Jahrhundertwende vorstellt: So edel, förmlich hingegossen in Trauer, richtig pompös, aber eben auch sehr würdevoll." Die Württembergische Metallwarenfabrik, bekannt unter der Abkürzung WMF, hat diese Figuren zu Beginn des 20. Jahrhunderts verkauft. "Und zwar massenweise, flächendeckend, in ganz Deutschland."

Dafür gab es sogar einen eigenen Katalog. "Eine richtig schöne Broschüre, aus der konnte man sich aussuchen, was man haben wollte - Grabplastiken, aber auch andere Dinge." Wolter listet auf: "Es gab beispielsweise Engel mit geschlossenen oder ausgebreiteten Flügeln, weibliche Figuren, trauernde, mit gefalteten Händen, mit einer Rose oder einem Palmzweig in den Händen, vor einem Kreuz oder einem Säulenstumpf stehend - alles schön aufgelistet, mit Katalognummer." Letztere ist heute noch unzweifelhafter Beweis dafür, dass beispielsweise der große Engel auf dem Katharinenfriedhof, dessen Nummer erhalten ist, eine dieser Figuren ist.

Einst sehr verbreitet

Diese waren nach Wolters Worten damals sehr beliebt und entsprechend verbreitet. "Aber heute gibt es nur noch sehr wenige davon." Der Grund dafür: Die Plastiken seien mit einer feinen Kupferschicht überzogen gewesen und deshalb im Krieg häufig eingeschmolzen worden. Aber "in Amberg ist eine richtig große Zahl erhalten, vor allem auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof: Das ist aber nur sehr wenig bekannt." Beim "gehobenen Bürgertum" seien die Galvano-Plastiken sehr beliebt gewesen. So zieren sie beispielsweise die Baumann-Gräber auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof.

"Damals hat man alles Mögliche galvanisiert - sogar Kinderschuhe", berichtet Wolters von dieser Modeerscheinung: "Man konnte praktisch alles mit Graphit leitfähig machen, um es dann zu überziehen und als Andenken aufzubewahren. Rosen zum Beispiel - von einem Verehrer - oder Brautsträuße."

Das Ergebnis war beeindruckend, das Verfahren aber preiswert, im Gegensatz zu einem echten Bronzeguss. Der "wäre unglaublich teuer gewesen. Aber die Galvano-Plastiken waren erschwinglich". Weil noch Kataloge existieren, wisse man beispielsweise, "dass so ein Engel 700 bis 800 Mark gekostet hat". Auch nicht ganz billig, aber eben doch deutlich günstiger als ein Guss.
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