Schatz mit trauriger Geschichte

Für Stadtheimatpflegerin Beate Wolters gehört das Leprosenhaus am Katharinenfriedhof zu Ambergs baulichen Schätzen - trotz der traurigen Geschichte des stattlichen Gebäudes. Bild: Hartl

Eigentlich ist es ein sehr schönes, stattliches Gebäude: Einer der vielen historischen Schätze im Stadtgebiet. Doch hinter den stolzen Mauern logierte das Elend. Das Leprosenhaus neben dem Eingang des Katharinenfriedhofs ist vielen Ambergern ein Begriff. Seine Geschichte aber ist kaum bekannt.

Ursprünglich hatte Amberg sogar zwei solcher Häuser, getrennt nach Geschlecht, weiß Stadtheimatpflegerin Beate Wolters. Das Mannssiechen befand sich bei Hl. Dreifaltigkeit und das Frauensiechen, heute unter dem Namen Leprosenhaus bekannt, bei St. Katharina. Die beiden Gebäude lagen damals deutlich außerhalb der Stadt.

"Schön weit weg"

"Also schön weit weg", sagt Wolters und kommt damit auf den Zweck dieser Einrichtungen zu sprechen: Menschen mit unheilbaren Krankheiten wurden dort isoliert, um niemanden anzustecken. Wolters formuliert es drastischer, sie spricht von Abschiebung: "Wer dorthin kam, der war eigentlich schon tot."

Verwandte brachten die Schwerkranken ins Leprosenhaus und verabschiedeten sich dort auch von ihnen, "in einem begräbnisartigen Ritual", wie die Heimatpflegerin sagt: "Dabei ist man praktisch schon für tot erklärt worden. Das war eine richtige Verabschiedung." Obwohl die Betroffenen zu diesem Zeitpunkt noch lebten. Im Leprosenhaus warteten sie dann auf ihr Ende. Bis dahin wurden sie nur mit Nahrungsmitteln versorgt - medizinische Betreuung gab es für sie nicht. "Dieses Haus hat richtig viel Elend gesehen", so fasst es Wolters zusammen. Sie zitiert dazu Frank Schätzing, der in seinem Roman "Tod und Teufel" über die Kranken in den Siechenhäusern geschrieben hat: "Sie waren die Toten, die den Tod noch vor sich hatten. Die Leprosen starben zweimal."

Umbau ist geplant

Die Lepra sei im Mittelalter sehr verbreitet gewesen, berichtet die Heimatpflegerin. Einmal im Siechenhaus gelandet, hätten die Betroffenen keinerlei Kontakt mehr zu ihren Familien gehabt. Wolters bezieht sich hier auf diverse Bücher. Was dort beschrieben sei, habe sicher auch für Amberg gegolten: "An bestimmten Tagen durften die Leprosen in Stadtnähe betteln. Sie mussten dazu aber weiße Kleider tragen, damit sie für jeden erkennbar waren. Und sie mussten sich durch Klappern bemerkbar machen - damit jeder wusste, das sind die Aussätzigen." Milde Gaben wurden ihnen dann nur zugeworfen.

Später wurde aus dem Frauensiechen eine Art Lazarett. Die Stadt hatte damit im 16. Jahrhundert nur noch das eine Siechenhaus bei Dreifaltigkeit. "Das gibt es heute nicht mehr", erklärt Wolters. Das Leprosenhaus beim Katharinenfriedhof dagegen ist erhalten geblieben. Im 20. Jahrhundert wurde es ein Quartier für Obdachlose. Damit blieb es, was es schon immer war - eine Unterkunft "für Leute am Rande der Gesellschaft", wie es Wolters ausdrückt.

Heute sei das Haus in Privatbesitz, soll umgebaut werden. "Man muss mal sehen, was daraus wird." Ein besonderes Bauwerk sei es allemal - und ein schönes noch dazu - trotz seiner Vergangenheit. "Es sieht vom Äußeren fast aus wie die Stadlbauten in Amberg, wie der Schmalzstadel." Die Stadtheimatpflegerin schwärmt von diesen "wuchtigen, stattlichen Häusern mit ihren riesigen Giebeln".

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