Schilderwald-Sterben

Von den weißen Wegweisern sollen im Stadtgebiet nur noch die allernötigsten stehenbleiben. Bilder: Steinbacher (2)
 
Die braunen Tafeln mit Firmennamen sind von der Abschraub-Aktion nicht betroffen.

Es geht um diese weißen Schilder mit schwarzer Schrift. Der Kirchenpfleger von Paulaner wollte auch so eins für das Andreas-Hügel-Haus. Er pochte auf gleiches Recht für alle und verwies auf St. Michael und die Auferstehungskirche. Wie der Teufel es will: Jetzt müssen diese Wegweiser weg.

Irgendwie hatte es schon was Kurioses, als sich der Verkehrsausschuss des Stadtrats am Mittwoch mit den weißen Tafeln befasste, die im Behördendeutsch "Pfeilwegweiser zu Zielen mit erheblicher Verkehrsbedeutung" genannt werden. Alles hatte damit begonnen, dass der Paulaner-Kirchenpfleger Mitte April zum leichteren Auffinden des Andreas-Hügel-Hauses braune Hinweisschilder an den Kreuzungen Sebastian-/Kennedystraße und Kennedy-/Steubenstraße beantragte. Begründet wurde das laut Verkehrsreferent Dr. Bernhard Mitko damit, dass diese Kirche keinen Turm habe. Anfang Mai lehnte die Straßenverkehrsbehörde das Anbringen der braunen Tafeln ab. Ihre Argumentation: Als touristische Beschilderung sollten sie nur äußerst sparsam verwendet werden. Außerdem sei das Andreas-Hügel-Haus nicht unbedingt ein bedeutendes Ziel für einen Touristen.

Dass es mit den braunen Schildern nichts wird, das leuchtete dem Kirchenpfleger noch ein. Aber weiße auch nicht, wie ihm bedeutet worden war? Das wiederum wollte der Mann nicht einsehen und erinnerte zum Beispiel an einen entsprechenden Wegweiser an der Köferinger Straße, auf dem steht: "Kirche St. Michael". Ein evangelisches Gotteshaus dürfe doch nicht schlechter gestellt werden als ein katholisches und nicht weniger wichtig sein, monierte er.

Frage der Standsicherheit

Manchmal kommt eben eines zum anderen: Im Mai teilte das Tiefbauamt der Verkehrsbehörde mit, dass bei der Straßenlaterne Kaiser-Ludwig-Ring/Bahnhofstraße folgende Schilder abzubauen seien: Stadtmitte, Amtsgericht, Ramasuri, Hotel. Und beim Lichtmasten Kaiser-Ludwig-Ring/Ruoffstraße müssten weg: Parkplatz Ruoffstraße, Vermessungsamt, Finanzbehörde, Möbel Frauendorfer. Das Tiefbauamt führte die Standsicherheit ins Feld, die durch die Tafeln beeinträchtigt werde - vor allem bei kräftigem Wind. Der staunende Verkehrsausschuss erfuhr am Mittwoch: An solchen Straßenlaternen sollten grundsätzlich keine Schilder befestigt werden, sie seien dafür nicht ausgelegt.

Abbau drängt nicht

Die Folge: Straßenbaulastträger, Polizei und Verkehrsbehörde gelangten zu der Auffassung, die komplette weiße Beschilderung in der Stadt gehöre auf den Prüfstand. Und so landete das Thema im Verkehrsausschuss. Ihm lag eine Liste vor, welche Wegweiser entfernt werden sollten. Ziele der sogenannten ersten Kategorie wie Bahnhof, Hochschule oder Klinikum sicherlich nicht. Kirche St. Michael, Auferstehungskirche, TÜV oder Festplatz allerdings schon.

Der Abbau dränge jedoch nicht, merkte Oberbürgermeister Michael Cerny an, nachdem sich das ganze Gremium einverstanden erklärt hatte, den Schilderwald etwas auszudünnen. Mitko sah darin keine Aufgabe, die allerhöchste Priorität habe. Bürgermeister Martin Preuß regte an, man möge doch über die Liste "noch mal drüberschauen".
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