Schläge gegen Türsteher einer Disco nicht aufzuklären - In zweiter Instanz Freispruch für zwei ...
Machtlos im Prozess, wenn die Beweise fehlen

Der Mann wurde übel zugerichtet. Als Türsteher in einer Schwandorfer Discothek beschäftigt, sah er sich dem plötzlichen Angriff mehrerer Männer ausgesetzt. Sie droschen zu, setzten wohl auch eine Flasche als Schlagwerkzeug ein. Jetzt gab es für zwei der mutmaßlichen Täter einen Freispruch beim Landgericht.

Sie schwiegen und ließen andere reden. Die beiden Schwandorfer folgten damit einem Rat ihrer Verteidiger Helmut Mörtl (Regensburg) und Peter Grau (Burglengenfeld). Von daher mussten auch zur Berufungsverhandlung zahlreiche Zeugen kommen, die dann vom Vorsitzenden der Dritten Strafkammer, Richter Gerd Dreßler, der Reihe nach zum Sachverhalt befragt wurden. Manche über eine Stunde lang.

Worum ging es? In einer Augustnacht 2012 wollten zwei Männer mit ihren Begleiterinnen in die Disco. "Der Türsteher verweigerte den Zugang, weil einer von ihnen eine Jogginghose trug", hieß es in den Protokollen. Also ließ er sich per Taxi heimbringen, wechselte die Kleidung und wollte danach abermals mit seinen Bekannten in das Lokal.

Nichts in der Hand

Was ab dann geschah, verschwand bei dem Prozess vor dem Landgericht in einer Art Nebel des Vergessens und Nicht-mehr-Erinnerns. Der Türsteher, der offenbar den Männern abermals keinen Zutritt gewährt hatte, wurde attackiert und so zugerichtet, dass er mit Platzwunden und schweren Prellungen ins Krankenhaus gebracht werden musste. Der Verdacht lag nahe: Es müsste sich bei den Schlägern eigentlich um die beiden 25-jährigen Schwandorfer gehandelt haben, deren Frust sich womöglich in ausgeteiten Hieben entlud und die dafür jetzt auf der Anklagebank saßen.

"Müsste" und "könnte" sind Begriffe, die einem Gericht zur sicheren Beweisführung wenig bis gar nichts nützen. Dass die beiden Angeklagten am Tatort und später abgetaucht waren, stand wohl fest. Eine Bedienstete der Discothek kannte die Männer und schrieb ihre Namen auf einen Zettel, den eintreffende Polizeibeamte bekamen. Doch schlugen sie auch zu? Daran konnte sich kein Zeuge konkret erinnern. Auch nicht ein 57-Jähriger, der mit am Eingang stand und dem Verletzten später half. Kam hinzu: Der Türsteher selbst sah sich nicht in der Lage, exakte Angaben zu seinen Peinigern zu machen.

Gab es einen Dritten?

Vor einem Schwandorfer Gericht hatte es in erster Instanz Bewährungsstrafen für die beiden Männer gegeben. Sie gingen in Berufung. Das tat auch die Staatsanwaltschaft, die zumindest für einen der 25-Jährigen knapp zweieinhalb Jahre ohne Bewährung beantragt hatte. Das geschah damals auch mit Blick in die Vorstrafenliste.

Schon bei diesem Prozess war die Rede von einem "unbekannten Dritten" gewesen, der damals ebenfalls gegen den Türsteher tätlich vorgegangen sein soll. Er "geisterte" jetzt auch durch die Berufungsverhandlung. Das machte die Wahrheitsfindung keineswegs leichter.

Nach mehrstündiger Verfahrensdauer musste Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier sein erkennbares Bemühen aufgeben, den Fall von gefährlicher Körperverletzung restlos zu klären. Die mutmaßlichen Täter schwiegen noch immer. Sie verließen mit Freisprüchen den Sitzungssaal. Denn was nicht restlos aufgehellt werden kann, muss - auch wenn das oft mit Zähneknirschen geschieht - zu den Akten gelegt werden.
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